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Umwelt+Natur

Was bringen bio-abbaubare Kaffeekapseln?

Kaffeekapseln
Kaffeekapseln sind bequem, aber wenig umweltfreundlich. (Bild: 200mm/ iStock)

Greenwashing statt Umweltnutzen: Immer häufiger werden im Handel Kaffeekapseln aus Biokunststoff oder biologisch abbaubaren Materialien angeboten – das soll angeblich der Umwelt zugutekommen. Doch das ist ein Irrglaube und bloßes Greenwashing, betonen Umweltverbände. Demnach haben auch diese Kapseln einen unvertretbar großen ökologischen Fußabdruck. Weil sie sich nur schlecht zersetzen, darf man sie zudem nicht in der Biotonne entsorgen.

Es ist bequem und einfach: Einfach eine Kaffeekapsel in den Automaten stecken und schon hat man eine frisch gebrühte Tasse Kaffee. Deshalb erfreuen sich Kapselsystem steigender Beliebtheit – auch bei uns in Deutschland. Rund 3,5 Milliarden Kaffeekapseln wurden im Jahr 2018 bei uns verbraucht. Gegenüber 2016 entspricht dies einer Steigerung von acht Prozent, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) berichtet. Doch die Kapseln verursachen jährlich einen Müllberg von rund 8800 Tonnen Aluminium und Kunststoff sowie zusätzlich 5000 Tonnen Papier für die Umverpackung.

Kaum Umweltvorteile

Wegen ihrer verheerend schlechten Umweltbilanz stehen diese Kapselsysteme schon länger in der Kritik. Denn die Wegwerfbehälter aus Aluminium oder Plastik werden nicht recycelt und stellen damit eine enorme Verschwendung von wertvollen Rohstoffen und auch Energie dar. Im Zuge des steigenden Umweltbewusstseins vieler Verbraucher haben die Hersteller einiger Kapselsysteme reagiert und bieten nun Kaffeekapseln aus Biokunststoff oder anderen biologisch abbaubaren Materialien an. „Versprechungen wie ‚ökologisch‘, ‚biologisch‘ oder ‚kompostierbar‘ sollen Verbraucher dazu bringen, sich mit gutem Gefühl für abfallintensive und klimaschädliche Kleinstverpackungen zu entscheiden“, erklärt Barbara Metz von der DUH.

Doch was ist dran an den vermeintlich umweltfreundlicheren Kaffeekapseln? Nicht viel, kritisieren die Deutsche Umwelthilfe und die Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK). Denn das grammweise Verpacken von Kaffee in Kapseln sei auch bei Verwendung biologisch abbaubarer oder nachwachsender Rohstoffe noch immer besonders materialintensiv und unökologisch. „Kaffeekapseln bleiben eine besonders umweltschädliche Verpackung, selbst wenn mit deren Abbaubarkeit oder Recyclingfähigkeit geworben wird. So werden Verbraucher hinters Licht geführt“, kritisiert Metz.

Entsorgung in Biotonne oder Gelbem Sack verboten

Das Problem: Selbst wenn Kapseln aus vermeintlich biologisch abbaubaren Materialien bestehen, zersetzen sich diese Stoffe in der Umwelt nur langsam. Der schnelle Abbau klappt meist nur unter Laborbedingungen, nicht aber in der freien Natur. Deshalb dürfen auch Kaffeekapseln aus vermeintlich abbaubaren Materialien gemäß Abfall- und Düngerecht nicht in der Biotonne entsorgt werden. Dieses Verbot gilt auch dann, wenn die Werkstoffe nach einschlägigen Normen wie der DIN EN 13432 als biologisch abbaubar oder kompostierbar zertifiziert sind. „Kaffeekapseln, egal ob aus erdöl- oder aus biobasierten Kunststoffen, werden in der Kompostanlage als Fremdstoffe betrachtet und soweit als möglich abgetrennt“, erklärt der Geschäftsführer der Bundesgütegemeinschaft Kompost, Bertram Kehres.

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Und auch die Entsorgung der biologisch abbaubaren Kaffeekapseln im Gelben Sack ist sinnlos und verboten. „Da Kaffeekapseln noch den nassen Kaffeesatz enthalten, dürfen sie nach dem Verpackungsgesetz regulär nicht in den Gelben Sack geworfen werden“, sagt DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. „Landen die sogenannten kompostierbaren Kaffeekapseln trotzdem im Gelben Sack, dann werden sie nicht für ein Recycling aussortiert, sondern gelangen als Sortierrest in der Verbrennung.“

Insgesamt haben die vermeintlich umweltfreundlicheren Kaffeekapseln daher eine kaum bessere Ökobilanz als die herkömmlichen Kapseln aus Plastik oder Aluminium. „Egal ob biologisch abbaubare Einweg-Plastiktüten, Wegwerfbecher oder Kaffeekapseln, es bleibt bei unnötigen, abfallintensiven und klimabelastenden Verpackungssystemen. Wir brauchen mehr Abfallvermeidung und Wiederverwendung statt noch mehr Einwegmüll“, so Metz. Den Verbrauchern empfiehlt sie, stattdessen abfallarme Brühmethoden, wie beispielsweise wiederbefüllbare Mehrwegkapseln, Aufbrühsysteme mit Dauerfilter, die French Press oder klassische Kaffeemaschinen zu verwenden.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

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