Was bringt der Ökolandbau wirklich? - wissenschaft.de
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Was bringt der Ökolandbau wirklich?

Feldblumen
Ökologisch bewirtschaftetes Getreidefeld mit Frauenspiegel und anderen Ackerwildkräutern. (Bild: Michael Welling)

Landläufig gilt der Ökolandbau als umwelt- und klimafreundlichere Alternative zur konventionellen Landwirtschaft. Ob sich dieser positive Effekt auch mittels Studien belegen lässt, haben nun Forscher des Thünen-Instituts in einer Metastudie ermittelt. Ihr Ergebnis: Beim Wasser- und Bodenschutz, der Artenvielfalt und der Belastung der Umwelt hat der Biolandbau die Nase vorn. Weniger klar sieht es allerdings beim Klimaschutz und dem Tierwohl aus.

Die ökologische Landwirtschaft verzichtet typischerweise auf Kunstdünger und Pestizide, auch in der Tierhaltung soll sie eine artgerechtere Haltung von Kuh, Schwein und Co garantieren. Häufig bietet die kleinteiligere Feldwirtschaft zudem Insekten, Vögeln und anderen Tieren der Agrarlandschaft mehr Futter und Refugien als die Monokulturen des konventionellen Anbaus. Der Ökolandbau gilt deshalb oft als vielversprechende und vor allem nachhaltigere Alternative.

Umfassender Multi-Parameter-Vergleich

Doch was ist dran an den hohen Erwartungen? Die Leistungen des Ökolandbaus für Umwelt und Gesellschaft haben nun Forscher um Jürn Sanders und Jürgen Heß vom Thünen-Institut näher untersucht. Für ihre Metastudie werteten sie 528 Veröffentlichungen aus, in denen insgesamt 33 Vergleichsparameter zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftenden Betrieben betrachtet wurden. So ergaben sich mehr als 2800 Einzelvergleiche. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Bereiche Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, biologische Vielfalt, Klimaschutz und -anpassung, Ressourceneffizienz und Tierwohl gelegt.

Es zeigte sich: In vielen Bereichen ist die ökologische Landwirtschaft tatsächlich umwelt- und ressourcenschonender als die konventionelle. „Bei 58 Prozent der analysierten Vergleichspaare wies die ökologische Bewirtschaftung gegenüber der konventionellen Variante Vorteile auf“, berichten die Forscher. Allerdings: „Bei 28 Prozent konnte keine Unterschiede festgestellt werden, bei 14 Prozent der Vergleichspaare war die konventionelle Variante vorteilhafter.“

Klare Vorteile bei Umweltschutz und Ressourceneffizienz

Konkret hat der Ökolandbau vor allem bei Wasser, Boden, Ressourceneffizienz und Artenvielfalt die Nase eindeutig vorn. Vor allem der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger sorgt für eine geringere Belastung von Grundwasser und Böden. „Im Mittel vermindert eine ökologische Bewirtschaftung die Stickstoffausträge um 28 Prozent“, so die Forscher. Auch Phosphor, Pestizide und Tierarzneimittel gelangen weniger in die Umwelt.

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Positive Effekte hat dies vor allem auf die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft: „Im Mittel (Median) lagen die mittleren Artenzahlen der Ackerflora bei ökologischer Bewirtschaftung um 95 Prozent, bei der Acker‐Samenbank um 61 Prozent und der Saumvegetation um 21 Prozent höher“, berichten die Wissenschaftler. Auch die Artenzahl der Feldvögel und der blütenbesuchenden Insekten war auf ökologisch bewirtschafteten Flächen zwicshen20 und 30 Prozent höher. Ebenfalls positiv wirke sich der Ökolandbau auf die Bodenfruchtbarkeit und die Bodenlebewesen aus.

Klimaschutz und Tierwohl weniger eindeutig

Weniger eindeutig ist dagegen der Beitrag des ökologischen Landbaus zum Klimaschutz. Der Grund: Zwar speichern ökologische bewirtschaftete Böden im Schnitt mehr Kohlenstoff und geben weniger Treibhausgase ab. Die Wissenschaftler ermittelten im Schnitt 1082 Kilogramm weniger CO2‐Äquivalente pro Hektar und Jahr beim Ökolandbau. Dafür aber bringt die ökologische Landwirtschaft weniger Erträge und benötigt dadurch mehr Fläche – was die Klimavorteile wieder ausgleicht, wie die Forscher erklären. Hinzu kommt: Weil Biokühe weniger Milch geben, ist ihr ökologischer Fußabdruck ähnlich groß wie der einer konventionell gehaltenen Milchkuh.

Kein klares Bild zeigte sich auch beim Tierwohl. Bei 46 Prozent der Vergleichspaare wurden keine eindeutigen Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Tierhaltung festgestellt, wie Sanders und sein Team berichten. Allerdings: Die meisten ausgewerteten Studien haben nur die Tiergesundheit betrachtet. Der Effekt der artgerechteren Haltung auf das Verhalten und das Befinden der Tiere blieben dagegen weitgehend außen vor, wie die Wissenschaftler einräumen.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei; Fachartikel: Thünen Report 65

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