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Was die Gier nach immer mehr anrichten kann

Viele Fleischfresser der Vorzeit starben aus, weil sie in schwierigen Zeiten nicht auf pflanzliche Nahrung umsteigen konnten. Ab einer gewissen Körpergröße überstieg der Nahrungsbedarf der reinen Fleischfresser das Beuteangebot. Dadurch war die Ära dieser Raubtiere, beispielsweise einiger ausgestorbener Verwandte der heutigen Hunde, kürzer als die anderer Tierarten. Das ergaben Studien von Blaire van Valkenburgh und seinen Kollegen von der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Science (Bd. 306, S. 101).

Die Familie der Hunde, Canidae, besteht aus drei Unterfamilien: Der heute noch lebenden Unterfamilie Caninae, den vor 15 Millionen Jahren ausgestorbenen Hesperocyoninae und den bis vor 2 Millionen Jahren lebenden Borophaginae. Zu den beiden ausgestorbenen Unterfamilien existieren ausführliche Fossildatenbanken, in denen jeweils verschiedene Arten dokumentiert sind. Van Valkenburgh und seine Kollegen untersuchten die Fossilien und analysierten Größe und Nahrungsverhalten der Tiere anhand der Gebissstruktur. Maßgebliche Faktoren dafür waren die Tiefe der Kiefer im Verhältnis zur Länge sowie die Länge der oberen und unteren Reißzähne im Verhältnis zur Kaufläche der Backenzähne. Dabei betrachteten die Wissenschaftler die Entwicklung vom ersten Erscheinen der Familien bis zu ihrem Aussterben.

In beiden Unterfamilien entdeckten die Forscher einen deutlichen Größenzuwachs einiger Arten im Lauf der Zeit. Bei den Hesperocyoninae durchliefen die Reißzähne beispielsweise innerhalb von 25 Millionen Jahren eine Verlängerung um 400 Prozent. Bei den Borophaginae waren es sogar 600 Prozent. Der Größenzuwachs wurde in beiden Gruppen vom Verschwinden kleinerer Arten begleitet, ergaben die Auswertungen. Mit zunehmender Größe der Kiefer und Länge der Reißzähne wurde auch die Kaufläche der Backenzähne kleiner. Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass sich diese Arten ausschließlich von Fleisch ernährten und sich dabei auf immer größere Beutetiere spezialisierten.

Valkenburgh und seine Kollegen untersuchten anschließend, wie lange die Arten der reinen Fleischfresser im Vergleich zu den weniger wählerischen Arten existierten. Keine der Arten mit reinen Fleischfressern überlebte demnach länger als 6 Millionen Jahre, während die nicht spezialisierten Gruppen durchschnittlich 11 Millionen Jahre die Erde bevölkerten.

In einigen Arten der Hesperocyoninae und Borophaginae führte die Entwicklung der Kieferstruktur ab einem gewissen Punkt zu einer Nahrungsspezialisierung, erklären die Forscher. Die Jäger waren auf immer größere Fleischmengen angewiesen, wobei auch die Konkurrenz untereinander zunahm. Kam es dann zu Engpässen im Nahrungsangebot, konnten die Tiere nicht auf anderes Futter ausweichen, und das Risiko auszusterben war größer als bei den weniger spezialisierten Arten, ergänzen Valkenburgh und seine Kollegen.

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ddp/bdw ? Dirk Gilson
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