Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Was dreckige Fenster mit Smog zu tun haben

smog.jpg
Schmutzige Fenster und Gebäude- oder Straßenflächen sind möglicherweise eine Ursache für die Entstehung von Smog in Großstädten. Foto: Wikipedia
Schmutzige Fenster und Straßen- oder Gebäudeoberflächen beeinflussen die Luftqualität in Städten möglicherweise stärker als bisher gedacht, legt eine Studie kanadischer Forscher nahe: Die fettigen Dreckschichten, die sich im Lauf der Zeit auf den Oberflächen bilden, wirken unter bestimmten Bedingungen wie ein chemischer Reaktor und setzen bei Sonnenbestrahlung Stickoxide frei. Diese können dann wiederum zur Smogbildung in den Städten beitragen. Der Mechanismus, den die Chemiker in simuliertem Fensterschmutz im Labor entdeckt haben, könnte erklären, warum es gerade in Großstädten häufig mehr Stickoxide in der Luft gibt, als die Modelle zur Luftverschmutzung vorhersagen.

Die Schmutzfilme, die in vielen Städten an glatten Fassaden, Fenstern oder auch der Straßenoberfläche haften, sind komplexe Mischungen aus einer ganzen Reihe von Chemikalien. Dazu gehören anorganische Salze wie Sulfate und Nitrate sowie bis zu zehn Prozent organische Verbindungen wie Kohlenhydrate und verschiedene Arten von Kohlenwasserstoffen. Bereits frühere Studien hatten darauf hingedeutet, dass in diesen Schmutzschichten entgegen ursprünglicher Annahmen sehr viele und zum Teil sehr ungewöhnliche chemische Reaktionen stattfinden. Das gilt besonders für Stickoxide und andere stickstoffhaltige Verbindungen, zeigen nun die Ergebnisse von Susannah Handley und ihrem Team: Die Schmutzmischung fördert eine Art Recyclingmechanismus, bei dem unbedenkliche Stickstoffverbindungen in aktivere umgewandelt werden.

Die Wissenschaftler stellen sich den Kreislauf etwa so vor: Wenn Stickstoffdioxid, das unter anderem durch Autoabgase in die Luft gerät, mit Luftfeuchtigkeit reagiert, bildet sich Salpetersäure, die in die Schmutzschichten auf den Oberflächen eindringt. Dort spalten sich zumindest einige der Moleküle in Wasserstoff- und Nitrationen. Fällt dann Sonnenlicht auf den Film, reagieren diese Ionen vermutlich unter Beteiligung einiger Kohlenwasserstoffe weiter und bilden andere Stickstoffverbindungen ? höchstwahrscheinlich Salpetrige Säure und die Ausgangsverbindung Stickstoffdioxid, die wieder an die Luft abgegeben werden.

Stickoxide wie Stickstoffdioxid sind sowohl an der Smogbildung als auch am so genannten Sauren Regen beteiligt. In Modellen zu ihrer Entstehung habe es schon länger Unstimmigkeiten und Hinweise auf eine weitere wichtige, bisher aber unbekannte Quelle gegeben, schreiben die Wissenschaftler. Die unerwartete Recyclingaktivität des Fenster- und Fassadenschmutzes könnte ihrer Ansicht nach diese Lücke erklären.

Susannah Handley (Universität Toronto) et al.: Environmental Science and Technology, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1021/es062044z ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Bhakdi, Kuhbandner, Walach, Wodarg & Co.: Die seichtwissenschaftliche Fraktion der bei Corona Quer- und Andersdenkenden ist im Verein MWGFD organisiert. Das Kürzel steht für „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie“. Vermutlich wollen sie damit sagen, dass der Rest der Mediziner und Wissenschaftler im Land, ein paar hunderttausend, die -innen mitgezählt, für Krankheit, Unfreiheit und Diktatur stehen.

Auf der Internetseite des Vereins gibt es eine Liste von „unterstützenden Therapeuten“, die „bei Fragen zu Masken-Attesten oder zur C-Impfung Auskünfte geben bzw. helfen“. Stand heute sind dort 225 Personen verzeichnet. Davon sind 69 explizit als Heilpraktiker/innen ausgewiesen, bei weiteren 28 deutet die Tätigkeitsbezeichnung auf eine alternativmedizinische Orientierung hin. Das sind 44 % der Gesamtliste. Wenn man stichprobenhaft bei den anderen googelt, was sie tun, finden sich bei nicht wenigen ebenfalls Tätigkeiten aus dem alternativmedizinischen Bereich. Die 44 % sind also eine konservative Schätzung des Anteils derer, die in Sachen Corona „alternativ“ unterstützen wollen.

Heilpraktiker/innen dürfen – im Prinzip – nicht impfen, zumindest nicht mit verschreibungspflichtigen Impfstoffen und gegen Krankheiten, deren Behandlung ihnen nach IfSG untersagt ist. Sie dürfen auch keine Eintragungen im Impfpass vornehmen. Das wird sie nicht von einer „Impfaufklärung“ in ihrem Sinne abhalten, ebenso, wie viele dieser Leute vermutlich keine Hemmungen haben, Atteste gegen Masken auszustellen. Weil sie an den Ohren ziehen oder andere psychische Probleme verursachen. Und wissenschaftlich munitionieren können sie sich zur Not auch: Schließlich gehört neuerdings Ines Kappstein zum Verein, leibhaftige Hygieneprofessorin aus Passau mit einer sehr kritischen Sicht auf den Nutzen von Masken. Dafür haben sie ihrem Mitgründer Bodo Schiffmann, Schwindelarzt aus Sinsheim, den Stuhl vor die Tür gestellt. Warum auch immer. Dass sie auch die Gemeinnützigkeit verloren haben, dürfte dagegen ein unfreiwilliger Abgang gewesen sein. Aber bei der Vielzahl der Vereine, mit denen sich die Corona-Rebellen inzwischen maskieren, dürften sich problemlos andere Wege der Steuerbegünstigung für ihre Aktivitäten finden.

Anzeige

Ein illustrer Verein zwischen politischer Opposition, Medizinkritik und Pseudowissenschaft. Aber er erleichtert immerhin die Kenntlichkeit der Nähe von Personen zum obskurantistischen Milieu. Wer dort mitmacht, dem scheint es nichts auszumachen, einen besonderen Stallgeruch anzunehmen.

https://scienceblogs.de/gesundheits-check/2020/10/24/mwgfd-44-heilpraktiker-und-andere-andere/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=mwgfd-44-heilpraktiker-und-andere-andere

Py|ro|mor|phit  〈m. 1; Min.〉 ein Bleierz [<grch. pyr ... mehr

Fo|to|tro|pis|mus  〈m.; –; unz.〉 Krümmungsreaktion der Organe festgewachsener Pflanzen bei einseitigem Lichteinfall; oV Phototropismus ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige