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Was ein Hund sieht, wenn er seinen Namen hört

Wenn ein Hund eine vertraute Stimme hört, erscheint vor seinem geistigen Auge ein Bild des Sprechers. Das schließen japanische Verhaltensforscher aus den Ergebnissen einer Studie mit 28 Hunden, die mit den Stimmen ihrer Besitzer und denen Fremder konfrontiert wurden. Je nachdem, ob sie die Stimme kannten oder nicht, entwickelten die Tiere beim Hören unterschiedliche Erwartungshaltungen, entdeckten die Forscher: Nach einer vertrauten Stimme erwarteten sie, die zugehörige Person zu sehen, während sie beim Hören einer fremden Stimme offenbar nicht mit einem bekannten Gesicht rechneten. Demnach können Hunde deutlich besser unterschiedliche Sinneseindrücke miteinander kombinieren als bisher angenommen.

Für ihre Studie platzierten die Forscher ihre Testhunde etwa einen Meter vor einem Computermonitor und decken diesen dann mit einer Sichtblende ab. Dann spielten sie über die Lautsprecher des Bildschirms eine Tonaufnahme ab, auf der entweder der Besitzer des Hundes oder ein Fremder fünfmal den Namen des Tieres rief. Anschließend entfernten die Wissenschaftler den Sichtschutz und ließen auf dem Monitor ein Foto erscheinen, auf dem das Gesicht des Besitzers oder das eines Fremden zu sehen war. In der Hälfte der Tests passten Stimme und Gesicht dabei zusammen, in der anderen Hälfte gehörte die Stimme dagegen nicht zu der gezeigten Person.

Um die Reaktion der Hunde auf die Bild-und-Ton-Paare zu untersuchen, beobachteten die Forscher, wie lange sie auf den Bildschirm starrten ? eine Methode, die beispielsweise auch für Tests mit kleinen Kindern verwendet wird. Das Ergebnis: Stimmten Stimme und Gesicht überein, blickten die Hunde für etwa sechs Sekunden auf den Bildschirm, unabhängig davon, ob sie die Person kannten oder nicht. Hörten sie jedoch ihren Besitzer sprechen und sahen anschließend ein fremdes Gesicht, schauten sie deutlich länger auf den Monitor. Das galt für die umgekehrte Variante: Auch wenn eine fremde Stimme sprach und danach ein vertrautes Gesicht auftauchte, starrten die Tiere länger auf den Bildschirm.

Die Hunde waren demnach irritiert, wenn sich ihre Erwartungen nicht bestätigten, erklären die Wissenschaftler das Verhalten. Die Tiere können also nicht nur akustische und optische Informationen miteinander in Verbindung bringen, sondern auch aktiv Gehörtes in ein Bild umwandeln und sogar über dieses Bild nachdenken. Das zeige einmal mehr, wie gut Hunde in den etwa 10.000 Jahren seit ihrer Domestizierung gelernt haben, mit dem Menschen zu leben: Sie haben eine ganze Reihe von ungewöhnlichen Fähigkeiten entwickelt, die ihnen beim Umgang mit ihren Besitzern helfen. Dazu gehört unter anderem auch, dass sie menschliche Gesten besser interpretieren können als selbst Menschenaffen.

Science, Onlinedienst Originalarbeit der Forscher: Ikuma Adachi (Universität Kyoto) et al.: Animal Cognition, Bd. 10, S. 17 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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kel|tern  〈V. t.; hat〉 in der Kelter auspressen (Früchte)

♦ an|dro|lo|gisch  〈Adj.; Med.〉 die Andrologie betreffend, zu ihr gehörig

♦ Die Buchstabenfolge an|dr… kann in Fremdwörtern auch and|r… getrennt werden.

ad|re|nal  〈Adj.〉 zur Nebenniere gehörig [<lat. ad ... mehr

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