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Was Fett mit dem Runner’s High zu tun hat

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Die Euphorie des Langstreckenlaufs (lzf, thinkstock)
Viele Jogger und Ausdauersportler kennen dies: Ist erst einmal das erste Tief überwunden, macht sich häufig ein euphorisches Hochgefühl breit, das sogenannte Runner’s High. Es entsteht, weil der Körper bei extremer Anstrengung unter anderem Endorphine ausschüttet – Botenstoffe, die nach landläufiger Meinung für diese Euphorie verantwortlich sind. Doch wie Forscher jetzt herausgefunden haben, spielt noch mindestens ein weiterer Akteur eine wichtige Rolle: das Leptin. Dieses appetitzügelnde Hormon fördert offenbar auch die Lust am Laufen.

Leptin galt bisher vor allem als Regulator unseres Hungergefühls und Fettstoffwechsels. Das Hormon wird in den Fettzellen des Körpers gebildet und gelangt mit dem Blut bis ins Gehirn. Dort bindet es sich an Andockstellen und löst so Reaktionsketten aus, die den Appetit zügeln. Je mehr Fettzellen es im Körper gibt, die Leptin produzieren, desto geringer ist daher das Hungergefühl. Bei schlanken Menschen und Tieren mit wenig Fett löst der Mangel an Leptin dagegen ein verstärktes Hungergefühl aus. Diese Rückkopplung sorgt dafür, dass der Fetthaushalt des Körpers stimmt und wir unser Gewicht halten – theoretisch. In der Praxis funktioniert dies jedoch nicht ganz so einfach. Denn bei Übergewichtigen reagieren die Andockstellen nicht mehr richtig auf das Leptin. Umgekehrt scheinen viele dünne Menschen eher weniger Hunger zu verspüren und stattdessen den Drang nach vermehrter körperlicher Bewegung.

Weniger Leptin – mehr Bewegung

Warum das so ist und welche Rolle das Fetthormon Leptin dafür spielt, haben nun Maria Fernandez von der Université de Montreal und ihre Kollegen untersucht. Für ihre Studie verglichen sie das Verhalten von Mäusen, denen spezielle Leptin-Rezeptoren im Gehirn fehlten mit denen normaler Kontrolltiere. Alle Mäuse hatten ständig Zugang zu einem Laufrad in einer Ecke ihres Käfigs. Sie konnten sich daher bewegen, so viel sie wollten. Und tatsächlich zeigten sich bald klare Unterschiede: Die Mäuse, denen der Rezeptorfehler einen Leptinmangel suggerierte, entpuppten sich als regelrecht versessen aufs Laufen. Während die Kontrolltiere durchschnittlich sechs Kilometer pro Tag im Laufrad zurücklegten, rannten sie mit elf Kilometern fast doppelt so weit. Zudem hielten sich diese Mäuse auch sonst länger im Käfigteil mit dem Laufrad auf – ein Hinweis, dass sie dieses mit angenehmen Gefühlen assoziierten, wie die Forscher erklären.

Dies bestätigte sich, als die Wissenschaftler erfassten, wie sich eine Gabe von purem Leptin auf die Lauffreudigkeit und die körpereigenen Endorphine im Gehirn der Mäuse auswirkte: Bei den Kontrolltieren blockierte das Leptin die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin im Gehirn – einem der wichtigen Auslöser für das Runner’s High. Als Folge verspürten die Tiere keine Befriedigung beim Laufen mehr und hörten damit auf. Bei den Mäusen mit blockiertem Leptinrezeptor konnte das Leptin nicht andocken und daher liefen sie weiter so begeistert wie zuvor. Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass das Fetthormon Leptin nicht nur den Appetit beeinflusst, sondern auch eine wichtige Rolle für den Bewegungsdrang und die Euphorie des Runner’s High spielen könnte. „Aufgrund unserer Ergebnisse glauben wir, dass das Absinken des Leptins die Motivation für körperliche Aktivität erhöht“, sagt Seniorautorin Stephanie Fulton von der Université de Montreal.

Stärkt das Durchhaltevermögen

Das könnte erklären, warum gerade Marathonläufer und Menschen mit ohnehin sehr wenig Körperfett oft nicht lange stillsitzen können und sich erst beim Sport glücklich fühlen. Weil sie von Natur aus weniger Leptin im Blut haben, reagieren sie sensibler auf die beim Sport ausgeschütteten Endorphine als dickere Menschen. Das Fetthormon kann seine dämpfende Wirkung bei ihnen nicht ausüben und das Streben nach der Befriedigung durch Bewegung ist größer. „Auf den ersten Blick klingt es paradox, dass Hunger und wenig Körperfett zu noch mehr Bewegung animieren“, sagen die Forscher. Doch aus evolutionärer Sicht ist es durchaus logisch: „Eine größere Ausdauer beim Laufen erleichtert es Säugetieren, Futter zu finden, selbst wenn dieses dünn gesät ist oder lange verfolgt werden muss“, erklären sie. Ihrer Ansicht nach könnte sich auch das Runner’s High genau für solche Situationen entwickelt haben: Die Euphorie half unseren Vorfahren dabei, trotz Hungers so lange durchzuhalten, bis sie dann doch noch etwas Essbares gefunden hatten.

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Das Ganze hat aber auch eine Schattenseite. Denn ein Mangel an Leptin könnte auch daran schuld sein, dass vor allem Marathonläufer und Leistungssportler verstärkt zu Magersucht neigen. Und umgekehrt viele Magersüchtige den extremen Drang nach Bewegung verspüren. „Wir spekulieren, dass der von uns hier beschriebene Leptin-Mechanismus auch für die mit Anorexie verknüpfte Hyperaktivität verantwortlich ist“, sagt Fulton. Ob das tatsächlich so ist und wie genau das Zusammenspiel des Leptins mit den anderen am Runner’s High beteiligten Botenstoffen aussieht, wollen die Forscher nun in weiteren Experimenten untersuchen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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