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Was Frauen empfindlich und Männer schmerzfrei macht

Italienische Forscher haben neue Belege für die These gefunden, dass die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron die Schmerzwahrnehmung beeinflussen: Männer, die im Rahmen einer Geschlechtsumwandlung weibliche Hormone bekommen, entwickeln sehr häufig chronische Schmerzen. Andererseits berichten Frauen, die sich für eine Geschlechtsumwandlung entschieden haben, während der dafür notwendigen Testosteronbehandlung über eine deutliche Besserung bestehender Schmerzen.

Anna Maria Aloisi von der Universität von Siena beobachtete 54 Männer, die während ihrer Behandlung sowohl Östrogene als auch Anti-Androgene bekamen, die den männlichen Geschlechtshormonen entgegenwirken. Knapp ein Drittel der Patienten klagte im Lauf der Therapie über zunehmende Schmerzen, insbesondere chronische Kopfschmerzen. In einer anderen Studie entdeckte die Forscherin, dass die zusätzliche Gabe des männlichen Hormons Testosteron bei Frauen genau umgekehrten Effekt hatte: Bei mehr als der Hälfte der Patientinnen verminderten sich sowohl Häufigkeit als auch Intensität von Schmerzen, während sich gleichzeitig das allgemeine Wohlbefinden verbesserte.

Diese Ergebnisse unterstützen die bereits aus anderen Studien bekannten Effekte der Geschlechtshormone, schreibt „Nature“. Zum genauen Wirkmechanismus der Hormone gibt es bislang allerdings nur Theorien. So wird Testosteron, dem wichtigsten männlichen Hormon, eine schmerzdämpfende Wirkung zugeschrieben, die wahrscheinlich auf eine Hemmung der Schmerzweiterleitung im zentralen Nervensystem zurückgeht. Östrogene dagegen blockieren nach Ansicht vieler Wissenschaftler die Systeme, mit denen der Körper Schmerzen dämpft, und verstärken dadurch das Schmerzempfinden.

Andere Forscher sind in Bezug auf die Östrogenwirkung jedoch skeptisch. Die bestehende Theorie könne nicht erklären, warum die Schmerzwahrnehmung während des Menstruationszyklus genau dann am höchsten ist, wenn der Östrogenspiegel sein Minimum erreicht, so ihr Argument. Linda LeResche von der Universität von Washington in Seattle hat daher eine alternative Erklärung für die Östrogenbefunde: Ihrer Ansicht nach sind nicht die absoluten Hormonspiegel, sondern die Schwankungen der Östrogenmenge im Körper, wie sie auch während des weiblichen Zyklus vorkommen, für die veränderte Schmerzempfindlichkeit verantwortlich. Beide Wissenschaftlerinnen hoffen nun, mithilfe weiterer Studien den Zusammenhang genauer aufklären zu können.

Nature, Online-Dienst

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