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Was Fußballer von Pianisten lernen können

Tausendfach ist es schon geschehen: Ein Fußballer schickt sich an, einen vor ihm rollenden Ball zu kicken. Die Gelegenheit wäre auch gerade günstig, da er sich im genau richtigen Winkel zum Tor befindet. Doch plötzlich stolpert er, will aber noch mit dem anderen Fuß den Treffer landen. Doch vergebens – der andere Fuß ist nicht so „dominant“, ist nicht die „Schokoladenseite“ des Spielers. Tor verfehlt. Der britische Sport-Psychologe und Rugby-Team-Berater Paul Morgan hat solche Szenen oft gesehen. Er hat sich gefragt, wie man gleichsam die Beidfüßigkeit von Sportlern trainieren kann. Wie der New Scientist berichtet, besteht seine Lösung darin, dass sich die Sportler ein Beispiel nehmen ? und zwar an Pianisten.

Morgan hatte bei seiner neunjährigen Tochter beobachtet, dass sie, obwohl sie nicht Fußball spielt, bei ihren Gliedmaßen offenbar keine bevorzugten Seiten hat. Morgan schloss, dass die Ursache hierfür das Klavierspielen ist, was seine Tochter seit früher Kindheit betreibt. Bestätigung erfuhr der Sportpsychologe von der Wissenschaft. Lutz Jäncke, Psychologie-Professor an der Universität Magdeburg, und seine Kollegen konnten zeigen, dass Nicht-Musiker die stärkste Asymmetrie in der Bevorzugung der einen Körperseite vor der anderen aufwiesen. Unter den Musikern wiederum waren diejenigen, die ein Streichinstrument spielten, asymmetrischer orientiert als diejenigen, die ein Tasteninstrument spielten.

Die Lösung scheint also zu sein, im Sport wie im Klavierspielen die Beidhändigkeit oder Beidfüßigkeit zu trainieren. Nur bei Sportarten, bei denen es nicht darum geht, plötzlich auf die nicht-dominante Seite wechseln zu können, wie etwa beim Tennis, ist das nicht nötig. Doch es stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, beide Seiten gleichermaßen „gut“ zu trainieren statt sich auf eine Seite zu konzentrieren und diese „sehr gut“ zu trainieren.

Chris McManus, Psychologie-Professor am University College London, verweist auf Studien mit Schimpansen, die zwar häufiger beidhändig orientiert sind als die Menschen, aber dennoch mehr Futter oder mehr Spielzeug ergattern, wenn sie schwerpunktmäßig eine Hand nutzen. „Ein Fußballer, der nur mit einem Bein arbeitet, kann auf einer zweimal so langen Strecke bessere Ergebnisse erzielen als einer, der auf einer halb so langen Strecke mit beiden Füßen arbeitet.“ An das Vorbild des Klavierspielers mag er nicht glauben: „Man wird nicht beidhändig oder beidfüssig, wenn man das Klavier mit beiden Händen spielt“, sagt er. „Man kann nicht einmal einen Trainings-Transfer von der Fertigkeit des Klavierspiels zum sportlichen Können erreichen. Das haben wir in vergleichenden Studien über Klavierspieler und Phonotypisten gesehen. Es gibt aber etwas, was übertragen werden kann: Motivation, Disziplin, Begeisterung und der Willen zum Üben. Und darauf wird wohl am Ende alles hinauslaufen.“

Doris Marszk
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