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Was Gesichter prägt

Gesichter sind nicht nur in Bezug auf das Aussehen individuell: Auch die Anordnung der Muskeln unter der Haut unterscheidet sich zum Teil erheblich zwischen einzelnen Menschen, hat ein britisch-amerikanisches Forscherteam entdeckt. So kommen bestimmte Muskeln bei manchen Menschen nur auf einer Gesichtsseite vor, während andere sogar vollständig fehlen. Derart große Unterschiede in der individuellen Muskulatur sind von keinem anderen Körperteil bekannt. Lediglich ein Set von fünf Muskeln scheint bei allen Menschen gleich zu sein: Sie sind für die Basisgesichtsausdrücke Ärger, Freude, Überraschung, Angst, Trauer und Ekel zuständig ? genau die Emotionen, die von jedem Menschen auf der Welt unabhängig von seinem kulturellen Hintergrund erkannt werden.

„Das Problem beim Untersuchen der Gesichtsmuskulatur ist, dass die Muskeln nicht so sind wie andere Muskeln“, erläutert Anne Burrows, eine der Autorinnen. So seien sich nicht nur sehr flach, sondern häufig auch fest ins Bindegewebe eingebettet und zudem noch miteinander verflochten. Burrows und ihre Kollegen untersuchten daher bei 18 Leichen die Anordnung der Muskulatur genauer. Das Ergebnis: Außer den fünf großen Muskeln, die bei allen Untersuchten gleich waren, fanden sie noch bis zu elf andere, die vorhanden sein können, es aber nicht sein müssen. Der Lachmuskel beispielsweise, der quer zum Mundwinkel liegt und diesen nach oben und zur Seite ziehen kann, kam nur bei etwa zwei Dritteln der Verstorbenen vor, zeigte die Auswertung.

Die Entdeckung illustriert, wie ein Gesicht einerseits Gefühle so grundlegend ausdrücken kann, dass sie von allen Menschen sofort erkannt werden, während es andererseits einen individuellen Ausdruck erhält. Für ersteres ist die Fünfergruppe an Basismuskeln zuständig, für letzteres die variable Anzahl und Anordnung der kleineren Muskeln. Da die Vermittlung von Emotionen über das Gesicht eine der wichtigsten nichtverbalen Kommunikationsformen des Menschen ist, hätten sich die Basismuskeln im Lauf der Evolution praktisch nicht verändert, um diese Fähigkeit nicht zu gefährden. Bei den kleineren Muskeln seien dagegen alle möglichen Spielarten entstanden, erläutern die Forscher.

Sorgen, bestimmte Gesichtsausdrücke wegen eines fehlenden Muskels nicht hinzubekommen, brauche sich jedoch niemand zu machen, betont Studienleiterin Bridget Waller: Im Allgemeinen könne man das Fehlen des einen durch die Verwendung eines anderen Muskels kompensieren und trotzdem einen ähnlichen Ausdruck produzieren. Alles, was dazu nötig sei, sei ein bisschen Training.

Mitteilung der Universität Portsmouth Originalarbeit der Forscher: Bridget Waller (Universität von Portsmouth) et al.: American Psychological Association, Bd. 8, S. 43 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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