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Was Mäuse in der Nase haben

Amerikanische Forscher haben in der Riechschleimhaut von Mäusen eine ganz neue Klasse von Erkennungsmolekülen entdeckt, die nicht auf Gerüche, sondern auf Pheromone reagieren ? eine Gruppe flüchtiger Substanzen, mit denen Tiere ihren Artgenossen Botschaften übermitteln. Die Identifizierung dieser Pheromondetektoren lässt die umstrittene Frage in einem neuen Licht erscheinen, ob und wie Menschen solche Signalstoffe wahrnehmen können: Die Gene, die die Informationen für den Bau der neuentdeckten Erkennungsmoleküle enthalten, kommen nämlich nicht nur bei Mäusen, sondern auch bei Fischen und Menschen vor. Daher haben wahrscheinlich auch menschliche Nasen solche Detektormoleküle, schreiben die Stephen Liberles und Linda Buck.

Schon Anfang der 1990er Jahre hatte Buck zusammen mit ihrem Kollegen Richard Axel entdeckt, dass die meisten Nervenzellen in der Riechschleimhaut von Säugetieren auf ihrer Oberfläche so genannte olfaktorische Rezeptoren tragen. Diese sind für die Wahrnehmung von Duftstoffen zuständig, wobei jede Sinneszelle mit einer anderen der bis zu 1.000 Detektorvarianten ausgestattet ist. Für diese Arbeit waren Buck und Axel im Jahr 2004 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden.

Doch nicht alle Sinneszellen in der Nase besitzen einen solchen olfaktorischen Rezeptor, konnten Buck und Liberles nun zeigen: Sie stießen in der Riechschleimhaut der Mäuse auf eine Gruppe von 14 Varianten so genannter TAA- Rezeptoren, die sich zwar ebenfalls auf der Oberfläche einzelner Sinnesnervenzellen befanden, sich aber deutlich von den olfaktorischen Erkennungsproteinen unterschieden. Auch ließen sie sich nicht durch normale Duftstoffe aktivieren, sondern reagierten auf Inhaltsstoffe im Urin erwachsener Mäusemännchen. Einer der Rezeptoren schien dabei für Stress-Signale zuständig zu sein, während ein anderer eher auf sexuelle Botenstoffe reagierte.

Bisher hatten Wissenschaftler angenommen, Pheromone würden ausschließlich in einem spezialisierten Teil der Nase, dem Vomeronasalen Organ, wahrgenommen. Da dieses Organ beim Menschen nicht oder nur sehr verkümmert vorhanden ist, schlossen die Forscher, dass Menschen keine Pheromonrezeptoren besitzen. Buck und Liberles kommen auf der Basis ihrer Entdeckung nun jedoch zum gegenteiligen Schluss: Die Gene für TAA-Rezeptoren bei Mäusen, Fischen und Menschen ähnelten sich so stark, dass sie höchstwahrscheinlich bei allen Spezies die gleiche Funktion erfüllen, kommentieren sie. Bei Zebrafischen sei diese Annahme auch schon durch Experimente untermauert, denn auch hier befänden sich die Rezeptoren in der Riechschleimhaut.

Linda Buck, Stephen Liberles (Fred Hutchinson Cancer Researchn Center, Seattle): Nature, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nature05066 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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