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Was Möwenmütter ihren Jungen mit auf den Weg geben

Vogelmütter geben ihren Küken schon vor dem Schlüpfen einen Hormoncocktail mit auf den Weg, damit die Kleinen groß und stark werden. Bei der Dosis müssen die Mütter jedoch aufpassen, haben niederländische Forscher nun entdeckt: Bekommen die Jungen zu wenige Hormone, bleiben sie klein und können sich in Konkurrenzsituationen nicht so gut durchsetzen. Bekommen sie dagegen zu viele Hormone, werden sie zwar groß, aber ihr Immunsystem bleibt schwach und macht sie anfällig für Infektionskrankheiten. Das berichten Ton Groothuis und seine Kollegen von der Universität Groningen in Haren in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society: Biology Letters (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2004.0233).

Embryonen brauchen für eine korrekte Entwicklung nicht nur die eigenen Hormone, sondern auch die der Mutter. Säugetierembryonen bekommen diese Hormone während ihres Wachstums im Mutterleib, während Vogelmütter den Cocktail aus hauptsächlich männlichen Geschlechtshormonen für ihren Nachwuchs im Eidotter bereitstellen. Was genau diese Hormone bewirken, wissen Forscher noch nicht. Alle gängigen Hypothesen gehen jedoch davon aus, dass der Effekt auf jeden Fall dem Küken zugute kommt.

Daher ist es für viele Wissenschaftler ein Rätsel, warum die Hormonmenge zum Teil sogar innerhalb eines Geleges sehr stark variiert. Wenn die Signalmoleküle tatsächlich nur positive Wirkungen haben, warum bekommt dann nicht jedes Küken die maximal mögliche Menge mit? Um diese Frage zu klären, injizierten Groothuis und seine Kollegen in einige Eier von Lachmöwen einen Hormoncocktail und verglichen Größe und Widerstandskraft der geschlüpften Küken mit der unbehandelter Altersgenossen. Das Ergebnis: Die zugegebenen Hormone machten den Vogelnachwuchs zwar größer, verminderten aber die Kapazität des Immunsystems.

Die Vogelmütter passen demnach offenbar die Hormondosis den äußeren Bedingungen an, schließen die Forscher aus den Ergebnissen. Ist die Konkurrenzsituation sehr groß, bekommen die Jungen mehr Hormone und können sich dank ihrer überlegenen Körpergröße besser durchsetzen. Ist dagegen die Gefahr für Infektionen innerhalb der Kolonie sehr groß, verzichten die Mütter lieber auf die Hormone und machen die Küken auf diese Weise resistenter gegen die Krankheiten. Ob noch weitere Faktoren die Hormonmenge beeinflussen, wollen Groothuis und seine Kollegen in weiteren Studien untersuchen

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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