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Was Ohren mit Übergewicht zu tun haben

Südkoreanische Forscher sind auf einen Zusammenhang zwischen chronischer Mittelohrentzündung bei Kindern und Übergewicht gestoßen: Die Ohrenerkrankung scheint den Geschmackssinn zu verändern und könnte so möglicherweise dazu führen, dass die betroffenen Kinder sich weniger gesund ernähren. Entdeckt haben die Wissenschaftler diese Verbindung in einer Studie mit insgesamt 84 Kindern. Dabei waren die Kinder, die an chronischer Mittelohrentzündung litten, signifikant dicker als die der gesunden Vergleichsgruppe, und auch ihr Geschmackssinn war häufiger gestört – sie konnten vor allem süß und salzig nicht mehr so gut wahrnehmen. Die Wissenschaftler vermuten, dass durch die anhaltende Entzündung im Mittelohr Geschmacksnerven geschädigt werden. Dadurch würden die Kinder zu viel Süßes und Salziges zu sich nehmen, vermutet das Team um Il Ho Shin.

Eine chronische Mittelohrentzündung kommt gerade bei Kindern häufig vor. Sie kann verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel wiederholte akute Mittelohrentzündungen oder verengte Gehörgänge. Bei der sogenannten chronischen Mittelohrentzündung mit Paukenguss verbleibt Flüssigkeit in dem kleinen Raum zwischen Trommelfell und Gehörknöchelchen, der Eustachischen Röhre. Nicht immer bemerken die betroffenen Kinder dieses Problem, es kann aber trotzdem zu verminderter Hörfähigkeit und ohne Behandlung sogar zu Schäden am Hörorgan sowie weiteren Erkrankungen führen.

In vorangegangenen Studien hatten die südkoreanischen Wissenschaftler bereits einen Zusammenhang zwischen chronischer Mittelohrentzündung mit Paukenguss und einem erhöhtem Body-Mass-Index (BMI) festgestellt. Ebenso hatten sie bei Erwachsenen einen beeinträchtigten Geschmackssinn nach einer Erkrankung gemessen. Sie vermuteten daher auch einen Zusammenhang zwischen chronischer Mittelohrentzündung, verändertem Geschmack und Fettleibigkeit bei Kindern. Um das zu testen, untersuchten sie 42 Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren, die an chronischer Mittelohrentzündung mit Paukenguss litten. Sie vermaßen BMI und Geschmackssinn der Kinder und verglichen die Werte mit denen von 42 gesunden Kindern im gleichen Alter. Die Kinder mit Mittelohrentzündung hatten im Vergleich zu den gesunden Kindern wie erwartet einen signifikant höheren Body-Mass-Index, ergab die Auswertung. Ebenso war bei ihnen die Schwelle, ab der sie süß oder salzig schmecken konnten, höher als bei den Gesunden.

Dafür könnte es mehrere Erklärungen geben, schreiben die Forscher. Einerseits seien süß und salzig wichtige geschmackliche Rückmeldungen bei der Nahrungsaufnahme. Wenn ein Kind daher süß und salzig erst dann schmecke, wenn es große Mengen an entsprechender Nahrung aufnehme, könne das Übergewicht begünstigen. Andererseits sei nicht auszuschließend, dass umgekehrt das Übergewicht zu einer erhöhten Anfälligkeit für chronische Mittelohrentzündungen führt. Denn bei Übergewichtigen seien die häufig die Fettpolster um einen Gaumensegelspanner genannten Muskel vergrößert, so dass dieser nicht mehr richtig arbeiten könne. Da der Muskel auch für die Öffnung der Eustachischen Röhre zuständig ist, könne dieser Effekt zu einer Beeinträchtigung des Flüssigkeitsablaufs durch die Röhre führen und so Probleme mit den Ohren fördern. Um Ursache und Wirkung in diesen Fällen genauer spezifizieren zu können, müssten nun weitere Studien mit mehr Kindern folgen, schlussfolgern die Forscher.

Il Ho Shin (Kyung Hee University, Seoul) et al: Archives of Otolaryngology – Head & Neck Surgery, Bd. 137, S. 242 dapd/wissenschaft.de – Anke Biester
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