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Was Spucke zu erzählen hat

Im Lauf des Lebens einer Frau verändert sich die Zusammensetzung von Proteinen im Speichel auf eine charakteristische Weise. Das haben US-amerikanische Forscher bei Speichelanalysen von jeweils sieben Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren und zwischen 55 und 65 Jahren herausgefunden. Die Wissenschaftler bestimmten mehre hundert verschiedene Eiweiße, die im Organismus an so unterschiedlichen Aufgaben wie der Immunabwehr, der Regulation von Verdauungsprozessen oder der Übermittlung von Signalen beteiligt sind. Über 260 dieser Stoffe trat entweder ausschließlich bei den jüngeren oder exklusiv bei den Frauen jenseits der Wechseljahre auf. Ist die normale Zusammensetzung für jede Altersgruppe bekannt, könnte künftig eine Analyse des Speichels bei der Diagnose von Krankheiten und Entwicklungsstörungen helfen, schreiben die Forscher um John Yates vom Scripps-Forschungsinstitut in La Jolla.

Die Wissenschaftler nahmen für ihre Studie bei den Frauen Speichelproben und untersuchten die darin enthaltenen Eiweiße mit hochsensiblen Analyseverfahren. Dabei konnten die Forscher insgesamt 532 verschiedene Proteine dingfest machen, die von der Immunabwehr bis zum Signaltransport fast alle in einem Organismus denkbaren Aufgaben wahrnehmen. Auffällig waren die extremen Unterschiede in der Zusammensetzung dieser Eiweiße in den beiden Altersgruppen: Während 266 Proteine sowohl bei den jungen als auch bei den älteren Frauen vorkam, waren ebenfalls 266 verschiedene Proteine nur entweder in der einen oder der anderen Gruppe nachweisbar.

Die größten Unterschiede fanden die Forscher bei an Immunreaktionen beteiligten Eiweißen: Hier zeigten die älteren Frauen im Vergleich zu den jüngeren eine deutlich stärkere Präsenz von Proteinen, entdeckten die Wissenschaftler. In dieser Verschiebung spiegele sich die Entwicklung des weiblichen Organismus über die Wechseljahre hinweg wider, erklären die Forscher. Die Analyse des Speichels könnte jedoch auch ein wichtiges Instrument bei der frühen Diagnose von Krankheiten sein, darunter Erkrankungen wie Lupus, das mit trockener Mundschleimhaut und trockenen Augen verbundene Sjögren-Syndrom und vielen anderen Autoimmunerkrankungen, sagen die Wissenschaftler.

Bisher diente Medizinern vor allem das Blut und seine Inhaltsstoffe für die Analyse von Krankheiten. Die Ergebnisse zeigten, dass auch aus einer Untersuchung des Speichels wichtige Informationen über den Gesundheitszustand und die Entwicklung des Organismus im Alter gewonnen werden können, erklären die Wissenschaftler. Speichelproben hätten vor allem den Vorteil, dass sie unkompliziert und ohne Schmerzen für die Patienten entnommen werden können.

John Yates (Scripps-Forschungsinstitut, La Jolla) et al.: Journal of Proteome Research, doi: 10.1021/pr900478h ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald
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