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Was Väter mit der Pubertät ihrer Töchter zu tun haben

Väter haben einen Einfluss auf die Geschlechtsreife ihrer Töchter. Das schließen amerikanische Forscher aus einer Studie mit knapp zweitausend Studentinnen. Demnach kommen Mädchen, die ohne ihren biologischen Vater aufwachsen, früher in die Pubertät, als wenn sie mit ihrem Vater zusammenleben. Die Forscher vermuten dahinter von den Vätern ausgehende chemische Duftstoffe. Diese Pheromone verzögern die Pubertät der Töchter, um Inzucht zu vermeiden. Während die Anwesenheit von Brüdern für das Einsetzen der ersten Regelblutung keine Rolle spielt, führen Halb- und Stiefbrüder sowie ein Leben in der Stadt zu einer früheren Pubertät.

Das Forscherteam befragten die Studentinnen in ihrer Studie nach dem Zeitpunkt ihrer ersten Blutung, der Größe und Zusammensetzung ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld. Bei Probandinnen, die ohne Vater aufwuchsen, setzte die erste Menstruation durchschnittlich rund drei Monate früher ein als bei den jungen Frauen, die mit ihrem Vater zusammenlebten. Der Zeitpunkt der ersten Regel lag zudem umso früher, je früher der Vater die Familie verlassen hatte. Dies weise darauf hin, dass junge Frauen ohne die vom Vater ausgesendeten Duftstoffe früher geschlechtsreif werden, so die Wissenschaftler.

Die Anwesenheit von Halb- oder Stiefbrüdern sowie das Aufwachsen in einer städtischen Umgebung hingegen scheinen den Zeitpunkt der ersten Regelblutung nach vorne zu verschieben. Die Forscher vermuten, die Mädchen hätten in der Stadt mehr Möglichkeiten als auf dem Land, den Pheromonen ihrer Väter zu entgehen. Zudem seien in der Stadt lebende Mädchen vermehrt den attraktiven Duftstoffen von nichtverwandten Männern ausgesetzt. Die Anzahl der im selben Haushalt lebenden Brüder spielte indessen für das Einsetzen der ersten Menstruation keine Rolle. Neben dem Körpergewicht und einigen andere Faktoren beeinflussen demnach auch beim Menschen Pheromone die Geschlechtsreife der Mädchen derart, dass Inzucht vermieden und die Fortpflanzung gefördert wird, folgern die Wissenschaftler.

Im Tierreich wird die Geschlechtsreife im Allgemeinen durch Pheromone beeinflusst. Bei Nagetieren zum Beispiel produzieren Väter solche Pheromone, damit die weiblichen Nachkommen später geschlechtsreif werden und Inzucht möglichst vermieden wird. Werden die Väter von ihrer Familie getrennt, erreichen die Töchter die Geschlechtsreife tatsächlich früher, haben Studien gezeigt. Auch beim Menschen wurde vor kurzem ein Gen entdeckt, das die Information für ein auf Pheromone reagierendes Eiweiß trägt. Wissenschaftler vermuteten daher, die Duftstoffe könnten auch beim Menschen das Einsetzen der ersten Regelblutung beeinflussen.

Robert Matchock (Pennsylvania State University, Altoona) et al.: American Journal of Human Biology, Bd. 18, S. 481 ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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