Waschmaschine fürs Blut - wissenschaft.de
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Waschmaschine fürs Blut

Die landläufig als Blutvergiftung bekannte Sepsis verläuft in fast jedem zweiten Fall tödlich. Eine wirkungsvolle Blutreinigung könnte den Patienten jedoch helfen. Deutsche Forscher haben nun ein neues Verfahren entwickelt: Es fischt Giftstoffe gezielt und schnell aus dem lebenswichtigen Saft, ohne das Blutbild zu verändern.

Unerbittlich kämpft der Körper gegen die Entzündung. Erobern und vergiften Bakterien das Blut dennoch, kommt es zur lebensbedrohlichen Sepsis. Ärzte müssen schnell reagieren und den roten Lebenssaft von den giftigen Stoffwechselprodukten, den Endotoxinen, reinigen. Das ist aufwändig: Über eine Kanüle entnimmt der Arzt dem Patienten Blut. Ein Plasmafilter trennt die Zellen vom Plasma. In einem zweiten Schritt wird das Plasma durch einen Filter geleitet, in dem Absorber die Giftstoffe spezifisch herausfischen. Das gereinigte Plasma wird wieder mit den Blutzellen vereinigt und zurück in den Körper geleitet. Die Blutzellen dürfen nicht mit den Absorberoberflächen in Kontakt kommen, denn sonst kann das Blut gerinnen.

Um dieses Problem zu umgehen, entwickeln Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB neuartige Hohlfasermembranen für die Blutreinigung. Dabei strömt das Blut durch die porösen Hohlfasern, wobei nur das Plasma durch die feinen Poren dringt. Die empfindlichen Blutzellen sind zu groß, sie bleiben im Inneren. So wird das Blut automatisch in Zellen und Plasma getrennt. Fängermoleküle, die lediglich an die Oberflächen der feinen Poren und der Außenwand der Faser angebunden sind, fischen die Giftstoffe aus dem Plasma. Am Ende der Faser wird das entgiftete Plasma wieder mit den Blutzellen aus dem für sie verträglichen Hauptkanal zusammengeführt.

„Die Besonderheit unseres Verfahrens ist, dass die Abtrennung der Blutzellen und die Reinigung des Plasmas in einem Verfahrensschritt erfolgen“, erläutert IGB-Projektleiter Michael Müller. „Damit ist die Apherese, die Blutreinigung, leichter zu handhaben. Durch den geringeren apparativen Aufwand lassen sich die Kosten drastisch reduzieren.“ Doch nicht nur der Geldbeutel wird geschont, sondern auch der ohnehin geschwächte Patient: Durch das neue Verfahren kann die außerhalb des Körpers befindliche Blutmenge um mehr als die Hälfte reduziert werden. Zudem aktiviert das Material der Hohlfasern nicht die Blutzellen, es ruft also keine Blutgerinnung hervor. Behandlungsvor- und -nachbereitung sind bei diesem Therapiesystem zudem kürzer und einfacher.

Im Labor hat das neuartige Blutwäsche-System bereits alle Tests erfolgreich bestanden. Nun bereiten die Wissenschaftler erste klinische Prüfungen vor. Werden auch diese erfolgreich abgeschlossen, wird das Verfahren in etwa drei bis fünf Jahren den Weg in den Klinikalltag finden.

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