Wasser in Zeiten des Klimawandels - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Wasser in Zeiten des Klimawandels

Wasser
Wasser: eine lebenswichtige Ressource für Menschen, Tiere und Pflanzen (Bild: Yevgeniy Sambulov/ istock)

Zum diesjährigen Weltwassertag am 22. März erinnern die Vereinten Nationen daran, wie eng die Themen Wasser und Klimawandel miteinander verknüpft sind. Die zunehmende Erderwärmung führt nicht nur zur Verknappung von Trinkwasserressourcen. Sie erhöht vor allem in den Städten auch das Risiko für Überflutungen – und macht den Lebensgemeinschaften in unseren Seen und Flüssen zu schaffen. Wie lassen sich die Folgen dieser Veränderungen abschwächen?

Wasser ist für das menschliche Leben schlicht existenziell: Nicht nur in unserem Körper übernimmt es eine unverzichtbare Rolle. Auch viele andere Bedürfnisse des täglichen Lebens könnten wir ohne dieses wertvolle Nass kaum stillen – vom Waschen über das Kochen bis hin zur Bewässerung unserer Äcker und Felder. Grundwasser, Flüsse und Seen sind für uns Menschen ebenso wie für Tiere und Pflanzen daher unverzichtbar. Doch diese Wasserressourcen leiden weltweit. So sind viele Gewässer und Grundwasserreservoire übernutzt. Zudem wird der Eintrag von Schadstoffen zunehmend zum Problem – auch in Deutschland. Vor allem unsere Oberflächengewässer sind vielerorts verschmutzt, doch Belastungen gibt es selbst beim Grundwasser. „Für die Grundwasserqualität sind die Nitrat- und teilweise auch die Pestizidbelastung aus der Landwirtschaft als größtes Problem anzusehen“, sagen Dietrich Borchardt, Markus Weitere und Karsten Rinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.

Der Klimawandel verschärft den Zustand von Gewässern, Grundwasser und Wasserinfrastrukturen zusätzlich. Genau darauf wollen die Vereinten Nationen am diesjährigen Weltwassertag am 22. März aufmerksam machen. Diese Folge der Erderwärmung ist schon heute vor allem in den Städten spürbar. Denn durch den Wärmeinsel-Effekt heizen sich die urbanen Zentren besonders stark auf. Durch anhaltende Hitze- und Trockenperioden – wie zuletzt im vergangenen Sommer – werden die verfügbaren Wasserressourcen gerade im städtischen Umfeld knapp, während der Wasserbedarf der Bevölkerung gleichzeitig ansteigt. Regionale Engpässe in der Wasserversorgung können die Folge sein. Die gute Nachricht: „Wir sehen, dass der Wassersektor unmittelbar von den Folgen des Klimawandels betroffen ist, aber wir wissen auch, dass gerade im Wasser- und Abwasserbereich Lösungen für Anpassungen liegen“, betont Martina Winker vom Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main. „Wasserinfrastrukturen könnten dazu beitragen, Städte klimagerechter zu gestalten.“

Mit Regenwasser spülen

Wie aber könnte dies konkret aussehen? Um Trinkwasservorräte zu schonen, empfehlen Experten – wo möglich – auf alternative Wasserquellen zu setzen. Zum Beispiel aufbereitetes Abwasser oder Regenwasser: „Wir beobachten, dass die Akzeptanz beim Thema Wasserwiederverwendung steigt, im häuslichen Bereich zum Beispiel zum Spülen der Toilette“, berichtet Winker. Auch der gezielte Einsatz von alternativen Wasserquellen zur Bewässerung von städtischen Grünflächen werde zunehmend als notwendige Maßnahme verstanden. Gleichzeitig ist nach Meinung der Forscherin allerdings auch ein grundsätzliches Umdenken beim Umgang mit der Ressource Wasser gefragt. Kurzum: Wir sollten weniger verschwenderisch sein und sorgfältiger mit unseren Wasserquellen umgehen – denn auch in Deutschland ist dieses wertvolle Gut endlich.

Doch nicht nur Wasserknappheit kann zum Problem werden. Manchmal kommt auch zu viel auf einmal davon: Die Rede ist von Starkregenfällen. Solche Extremwetterereignisse werden in Folge des Klimawandels häufiger. In der Stadt treffen die riesigen Wassermassen dann überwiegend auf versiegelte Flächen, wo sie schlecht versickern können und zu Überflutungen führen. Auch für dieses Problem gibt es Lösungen, wie Winker betont. So können Parkplätze und Gehwege so gestaltet werden, dass sie Wasser versickern und damit rückhalten können. Gründächer und Regenwasserspeicher tragen dazu bei, Überflutungen zu verhindern oder zumindest ihr Ausmaß zu reduzieren. „Für Kommunen geht es darum, all diese Möglichkeiten zur Klimaanpassung zu prüfen und in der Bevölkerung das Verständnis für notwendige Maßnahmen zu fördern“, betont sie.

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„Konsequenterer Gewässerschutz!“

Effektive Maßnahmen sind in Zukunft auch gefragt, um einer weiteren Herausforderung der Erderwärmung zu begegnen: Sie wirkt sich negativ auf die im Wasser heimischen Lebensgemeinschaften aus. „Durch die milderen Winter können sich neue Arten stabil etablieren, die früher eigentlich nur in wärmeren Regionen vorkamen. In Seen verlängert die Erwärmung die Dauer der Schichtung durch einen früheren Beginn im Frühjahr und die spätere Auflösung im Herbst. Die begrenzten Sauerstoffvorräte im Gewässer müssen somit längere Zeiträume überbrücken und das Risiko der vollständigen Sauerstoffzehrung steigt“, zählen die UFZ-Experten um Borchardt nur einige der Konsequenzen auf.

Die Wissenschaftler konnten unter anderem bereits nachweisen, dass im Zuge der Hitze- und Dürresommer 2018/2019 sowohl das Fischsterben aufgrund von Sauerstoffzehrung als auch das Auftreten von potenziell toxischen Blaualgenblüten gegenüber den Vorjahren zunahm. Diese Veränderungen in den Gewässern sind in erster Linie ein ökologisches Problem. Sie wirken sich aber auch auf die Nutzung der Gewässer durch den Menschen aus. So fehlt in großen Flüssen mitunter das Wasser für die Schifffahrt oder es müssen Badeverbote wegen massiver Cyanobakterien-Vermehrung ausgesprochen werden. Das Credo für die kommenden Jahre ist daher klar: „Es ist ein sehr viel konsequenterer Gewässerschutz in verschiedenen Bereichen gefragt“, schließen die UFZ-Forscher.

Quellen: Institut für sozial-ökologische Forschung/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

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