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Umwelt+Natur

Wasserratten unter Stress – durch Funkhalsbänder

Die häufig bei Tierstudien in der Natur eingesetzten Funkhalsbänder können einen dramatischen Effekt auf die beobachteten Populationen haben: Während einer Untersuchung britischer Forscher, in der einige Wasserratten mit den am Hals befestigten Sendern ausgestattet waren, fiel der Anteil der Weibchen in der Gruppe um fast die Hälfte ab. Offenbar setzen die Halsbänder die Tiere so unter Stress, dass sich das Geschlechterverhältnis ihres Nachwuchses verschiebt, schreiben Tom Moorhouse und David Macdonald von der Universität Oxford in der Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology (Bd. 42, S. 91).

Funksender werden in Feldstudien häufig eingesetzt, um beispielsweise die Bewegungen einzelner Tiere verfolgen zu können. Eine wesentliche Voraussetzung für eine solche Untersuchung: Die Methode darf das Verhalten und den Stoffwechsel der Tiere nicht beeinflussen. Bereits frühere Studien ließen jedoch Zweifel daran aufkommen, ob diese Voraussetzung bei Funkhalsbändern tatsächlich gegeben ist. So gab es unter anderem Hinweise darauf, dass die Sender und ihre Befestigungen Fruchtbarkeit, Gewicht, körperliche Leistungsfähigkeit, Verhalten und sogar die Überlebensrate der Tiere beeinträchtigen können.

Einen weiteren negativen Einfluss haben nun Moorhouse und Macdonald identifiziert. Die Biologen beobachteten drei Jahre lang zwei Kolonien der in Großbritannien vom Aussterben bedrohten Wasserratten ( Arvicola terrestris). In einer davon markierten sie einen Sommer lang einige Individuen mit Funkhalsbändern, die weniger als 2,5 Prozent des Körpergewichts der Tiere wogen. Trotzdem sank während der Sommers die Zahl der neugeborenen Weibchen in dieser Kolonie um 48 Prozent ab, während die der Männchen konstant blieb und zum Teil sogar anstieg.

Eine solche Verschiebung des Geschlechterverhältnisses kommt immer dann vor, wenn ein Geschlecht bessere Überlebenschancen hat als das andere, schreiben die Forscher. Bei Wasserratten erben beispielsweise die Töchter das Territorium der Mutter, während die Söhne ausschwärmen und neue Territorien besiedeln. Sind die Bedingungen im heimatlichen Bezirk nicht optimal, beispielsweise durch Futtermangel oder eine äußere Bedrohung, produzieren die Weibchen häufig mehr Söhne, da deren Chance auf ein besseres Territorium größer ist als die der Töchter. Offenbar übt das Tragen der Funkhalsbänder einen ähnlichen Stress aus wie Nahrungsmangel, so die Wissenschaftler. Auch wenn der Effekt in weiteren Studien noch bestätigt werden muss, sollte gerade bei kleinen Säugetieren und bedrohten Spezies gut abgewogen werden, ob der Wissensgewinn durch die Markierung den Preis wert ist.

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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