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Umwelt+Natur

Wegweisende Mund-zu-Mund-Kontakte

Honigbienen erklären ihren Stockkolleginnen nicht nur den Weg zu viel versprechenden Nahrungsquellen, sondern verraten ihnen auch deren Geruch. Das haben argentinische Forscher bei einer Studie an 4.000 europäischen Honigbienen (Apis mellifera) entdeckt. Auf diese Weise können alle Bienen die entsprechenden Blüten schnell und leicht finden, wovon der gesamte Stock profitiert. Hat eine Biene einen Duft erst einmal kennen gelernt, behält sie ihn tagelang im Gedächtnis.

Die Kommunikation im Bienenstock ist wichtiger Bestandteil der Teamarbeit im Schwarm. So teilt eine Honigbiene beispielsweise ihren Genossinnen per Schwänzeltanz mit, in welcher Richtung und wie weit entfernt eine Nahrungsquelle zu finden ist. Auch dass Bienen durch kurzen Mund-zu-Mund-Kontakt von bis zu vier Sekunden untereinander kleine Nahrungsmengen weiterreichen, war bereits bekannt. Welchen Zweck dieser Futtertausch erfüllt, war dagegen bislang unklar.

Für ihre Studie brachten die Forscher nun einem Teil der futtersuchenden Bienen eines Stocks bei, an einer bestimmten Stelle eine Zuckerlösung mit einem ungewöhnlichen Geruch zu holen. Später beobachteten die Wissenschaftler, wie sich die untrainierten Stockkolleginnen an der Nahrungsquelle verhielten: Viele der Neuankömmlinge steckten ohne zu zögern ihren Rüssel nach der Zuckerlösung aus, obwohl sie den Geruch nicht von Blüten oder anderen natürlichen Futterquellen kannten. Demnach müssen sie bereits im Stock von ihren trainierten Artgenossen gelernt haben, dass der Duft zu einer vertrauenswürdigen und viel versprechenden Nahrungsquelle gehört, schließen die Forscher.

In einer stets wechselnden Umwelt kann der gesamte Stock so immer die ergiebigsten Quellen nutzen. Kleine Nahrungsmengen könnten schon innerhalb weniger Stunden im Großteil der Bienenkolonie verbreitet werden, vermuten die Forscher. Ein ähnliches System, eine Nahrungsempfehlung weiterzugeben, hat die Wanderratte: Tiere dieser Rattenart erkennen am Atem ihrer Artgenossen, was diese kürzlich gefressen haben. Noch nach Wochen bevorzugen sie die Kost, nach der der Artgenosse gerochen hatte.

Paula Diaz (Ciudad Universität, Buenos Aires) et al.: Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2005.3172

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