Weißwein, Rotwein, Genwein - wissenschaft.de
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Weißwein, Rotwein, Genwein

Weinzüchter entdecken die Biotechnik. Überall dort, wo die klassischen Züchtungsmethoden nicht weiterhelfen oder zu langsam sind, sollen den Kulturrebsorten künftig mit Hilfe der Gentechnik neue Eigenschaften einverleibt werden.

Bei der Pflanzenzüchtung und natürlich auch im Weinbau ist jede neue Kreuzung ein Poker. Dafür verantwortlich ist das Puzzle der Gene, die sich in der Nachkommenschaft neu kombinieren und Neuzüchtungen einen eigenständigen Charakter verleihen.
„An dieser Stelle setzt die Gentechnik an“, sagt Prof. Reinhard Töpfer, Direktor des Siebeldinger Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof. Der wesentliche Unterschied zwischen Kreuzungszüchtung und Gentransfer liegt darin, daß man beim Gentransfer sehr viel kleinere Gen-abschnitte bewegt – ein Kniff, der verhindert, daß sich das genetische Material vollständig durchmischt, was bei einer Kreuzung unvermeidlich ist. Die genetische Konstitution bleibt so im wesentlichen dieselbe, und nur wenige Einzelmerkmale kommen hinzu. Töpfer und seine Mitarbeiter wollen jetzt Resistenzgene in Rebsorten bringen, die in Deutschland bereits verbreitet sind.
Die ersten Kandidaten sind bereits gekürt. Es handelt sich einmal um die Dornfelder-Rebe. Der Dornfelder wurde in den Jahren 1955 bis 1979 bei der Staatlichen Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau im württembergischen Weinsberg gezüchtet und ist der Shooting-Star bei den Liebhabern deutscher Rotweine. Eine andere Versuchsrebsorte ist der traditionsreiche Riesling. Inzwischen gibt es sowohl den gentechnisch modifizierten – transgenen – Dornfelder als auch den transgenen Riesling. Ob diese Reben tatsächlich alle gewünschten Merkmale tragen, wird sich allerdings erst nach mehrjährigen Freilandversuchen erweisen. In diesem Jahr sollen in Deutschland die ersten transgenen Riesling-Reben freigesetzt werden: im Fränkischen zwischen Veitshöchheim und Würzburg und in der Pfalz bei Siebeldingen.
Einige Experten kritisieren, daß in Deutschland die private Förderung von Forschungsvorhaben beim Weinbau völlig fehle. In den USA gibt es dagegen zahlreiche größere Firmen, die in der Biotechnologie eine Kapitalvermehrungsmaschine sehen und sich neuerdings auch im Weinbau engagieren. Auch in Australien beschäftigen sich die Winzer schon länger mit Genwein. Im internationalen Wettbewerb, so fürchtet Töpfer, laufe der weitgehend klein- und mittelständisch geprägte deutsche Wein-bau daher Gefahr, den Anschluß zu verlieren.
Eine ähnliche Beobachtung machte Dr. Bernd Hill von der Staatlichen Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg auf dem jüngsten Weltsymposium über Rebengenetik und Rebenzüchtung in Montpellier. Frankreich, die USA, Kanada und Australien stellten dort eine Reihe von Projekten vor, während sich die Winzer aus Deutschland, Italien oder Spanien noch wenig entschlossen zeigten. Hauptziel der Franzosen sei die Bekämpfung der „Reisigkrankheit“ – eine der bedeutendsten Viruserkrankungen der Rebe.
Anderswo haben gentechnische Veränderungen der Reben noch tiefgreifendere Ziele: In Australien soll die Spätburgunder-Traube ein gehaltvolleres Aroma und eine kräftigere Farbe erhalten. In Spanien und Südafrika rücken Winzer dem Gärungsprozeß mit genetisch veränderten Hefen zu Leibe. So ist es in Spanien gelungen, in eine Hefe ein Schlauchpilzgen zu übertragen, das dem Wein eine fruchtigere Note verleiht. In einem weiteren Fall konnte durch Genübertragung die Gärungsfähigkeit der Hefe soweit gesteigert werden, daß keine Restsüße mehr im Wein bleibt.
Reinhard Töpfer distanziert sich von derartigen Versuchen. Wenn man die Resistenz einer Pflanze erhöht, so argumentiert er, verändert man die Inhaltsstoffe nicht. Mit tiefergehenden Eingriffen manipuliere man die Pflanze jedoch. „Beim Bier“, so Töpfer lapidar, „wäre das ein eindeutiger Verstoß gegen das Reinheitsgebot.“

Dr. Rolf Froböse
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