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Nördliches Breitmaulnashorn

Weiterer Schritt zur Rettung der Art

Nashorn Fatu
Das Weibchen Fatu ist eines von nur zwei überlebenden Exemplaren des Nördlichen Breitmaulnashorns. (Bild: BioRescue/Rio the Photographer)

Vom Nördlichen Breitmaulnashorn leben heute nur noch zwei Weibchen. Doch Wissenschaftler haben mittels künstlicher Befruchtung inzwischen schon neun Nashorn-Embryonen erzeugt, die nun Leihmüttern eingesetzt werden können. Zur Vorbereitung auf den Transfer wurde ein Nashornbulle sterilisiert, der die empfangsbereite Phase der Leihmütter anzeigen soll. Signalisiert er die Fortpflanzungsbereitschaft der Weibchen, kann dann der Embryonentransfer erfolgen.

Weltweit existieren heute nur zwei Exemplare des Nördlichen Breitmaulnashorns (Ceratotherium simum cottoni): die beiden Weibchen Najin und Fatu. Von den beiden letzten Bullen der Dickhäuter wurden aber vor ihrem Tod Spermienproben eingefroren, mit denen man entnommene Eizellen der Weibchen künstlich befruchten könnte. Da Najin und Fatu beide aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht trächtig werden können, müssten diese Embryonen dann von Leihmüttern ausgetragen werden. 2019 gelang es Wissenschaftlern erstmals zehn unreife Eizellen von den Nashorn-Weibchen zu entnehmen. Später folgten weitere Entnahmen, die die Forscher sogar mit dem Sperma der verstorbenen Männchen im Labor befruchten und so bereits fünf Embryonen erzeugen konnten.

Noch mehr Embryonen

Ein Forscherteam um Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) hat nun versucht, noch mehr lebensfähige Embryonen zu erzeugen. Dazu setzten sie Fatu, das jüngere Nashornweibchen, unter Vollnarkose und entnahmen mit einer ultraschallgeführten Sonde 19 Eizellen aus ihren Eierstöcken. Die unreifen Eizellen wurden dann im Labor zur Reifung inkubiert. Im Anschluss befruchteten die Wissenschaftler 14 dieser Eizellen mit aufgetauten Spermien des verstorbenen Breitmaulnashornbullen Suni. Dazu verwendeten sie ein spezielles In-vitro-Verfahren, die sogenannte intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI-Verfahren). Dabei wird jeweils ein Spermium direkt in das Zytoplasma einer Eizelle injiziert.

Tatsächlich entwickelten sich vier befruchtete Eizellen zu lebensfähigen Embryonen, die nun im flüssigen Stickstoff gelagert werden. „Wir sind begeistert von den Ergebnissen der letzten Eizellenentnahme im März“, so Najib Balala vom Tourismus- und Wildtier-Ministerium in Kenia. Die Eizellen der nun insgesamt neun Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns stammen alle von Fatu. Ob von der 31-jährigen Najin künftig nochmal Eizellen entnommen und auch befruchtet werden können, ist ungewiss: Während des jüngsten Eingriffs führten Hildebrandt und seine Kollegen nur eine leichte Narkose und Ultraschalluntersuchung bei ihr durch. Nach den Ergebnissen des Ultraschalls entschied das Team, keine Eizellenentnahme zu versuchen, da Najin nicht genügend vielversprechende Eizellen entwickelt hatte.

Auch Sterilisation erfolgreich

Mit den bisher lebensfähigen Embryonen können die Forscher aber bereits die Zucht der vom Aussterben bedrohten Nashornspezies weiterführen: „Mit diesen neun nördlichen Breitmaulnashorn-Embryonen können die Projektpartner die nächste Phase des Projekts einleiten – den Embryotransfer in Leihmuttertiere der südlichen Breitmaulnashörner in der Ol Pejeta Conservancy“, so Balala. „Wir sind sehr gespannt auf Nachkommen aus dem Projekt, die das Überleben der Art garantieren werden.“

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Bevor die nun entwickelten Embryonen jedoch in Weibchen der eng verwandten Nashornart transferiert werden können, müssen diese empfangsbereit ein. Um herauszufinden, wann dies der Fall ist, wollen die Wissenschaftler die potenziellen Leihmütter mit einem südlichen Breitmaulnashorn-Bullen zusammenbringen. Dieser soll durch sein Verhalten den Fortpflanzungszyklus der Weibchen anzeigen. Dafür muss er aber sterilisiert werden, damit die potenziellen Leihmütter in Gesellschaft mit dem Bullen nicht trächtig werden. Genau das haben Hildebrandt und sein Team mit dem Nashornbullen Owuan durchgeführt. Dazu wurde der Dickhäuter mit einem minimal-invasiven, nicht-chirurgischen Verfahren erfolgreich sterilisiert. In den kommenden Wochen sollen nun der Bulle und die Nashorn-Leihmütter zusammengebracht werden.

Quelle: Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.

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