Welche „Natur-Dosis“ Stress effektiv lindert - wissenschaft.de
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Welche „Natur-Dosis“ Stress effektiv lindert

20 bis 30 Minuten dauert ein wirksames Naturerlebnis. (PetarPaunchev/iStock:)

Den Stress des Alltags in der Zivilisationswüste kann bekanntlich ein „Bad“ in der Natur davonspülen. Doch wie lange sollte das Naturerlebnis mindestens dauern, um diese Wirkung effektiv zu erreichen? Um den Spiegel des Stresshormons Cortisol erheblich zu senken, sollte man mindestens 20 bis 30 Minuten lang an einem Ort verbringen, der einem das Gefühl von Kontakt zur Natur vermittelt, hat eine Studie ergeben.

Entspannend, beruhigend, Stress-lindernd – dass sich Naturerlebnisse positiv auf das menschliche Wohlbefinden auswirken, ist eine alte Weisheit und auch wissenschaftlich gut belegt: Zahlreiche Studien haben gezeigt, wie wichtig Parks, Gärten, Wälder und verschiedene Formen von Naturerfahrungen für Menschen sind. „Wir wissen, dass das Gefühl, mit der Natur in Kontakt zu sein, Stress abbaut, aber bis jetzt war unklar, wie viel Zeit für diesen Effekt nötig ist“, sagt MaryCarol Hunter von der University of Michigan in Ann Arbor.

Ein Stresshormon im Blick

Dieser Frage sind die Forscher nun mit der Unterstützung von 36 Stadtbewohnern nachgegangen. Über einen Zeitraum von acht Wochen haben die Probanden mindestens dreimal wöchentlich eine „Dosis Natur zu sich genommen“ – Naturerfahrungen unterschiedlicher Länge, aber von mindestens zehnminütiger Dauer. Vor und nach der Natur-Dosis gaben die Probanden eine Speichelprobe zur Untersuchung des Niveaus des Stresshormons Cortisol ab. In der Konzentration dieses Hormons im Speichel spiegelt sich wider, wie gestresst eine Person ist. Klar ist: Häufige Spannungszustände sind nicht nur unangenehm, sondern auch gesundheitsschädlich: Viele Studien belegen den Zusammenhang von Stress und körperlichen sowie psychischen Problemen.

Bei der Gestaltung des Naturerlebnisses ließen die Forscher den Probanden viel Spielraum: „Die Teilnehmer konnten die Tageszeit, die Dauer und den Ort ihres Naturerlebnisses frei wählen. Sie sollten das Gefühl haben, tagsüber im Freien mit der Natur verbunden zu sein“, erklärt Hunter. Zusätzliche Tätigkeiten, die das Stressniveau beeinflussen können, waren allerdings nicht erlaubt: Die Probanden durften ihre Handys nicht benutzen, nicht lesen oder sich mit jemandem unterhalten und auch keinen anstrengenden Sport treiben. Nur ruhige Naturerfahrung war angesagt.

Faustregel für die ärztliche Empfehlung

Wie die Forscher berichten, ging aus ihren Auswertungen hervor: Schon 20 bis 30 Minuten reichen aus, um den Cortisolspiegel signifikant zu senken. Wer noch mehr Zeit investiert, kann zwar noch zusätzlich profitieren – die Stresshormonwerte sinken dann aber nicht mehr so deutlich ab, berichten die Forscher. Den Ergebnissen zufolge spielt der Aktivitätstyp offenbar keine wichtige Rolle. Der Cortisolspiegel sank sowohl bei leichter Bewegung als auch beim Naturerlebnis im Ruhezustand.

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Hunter und ihre Kollegen sind überzeugt: „Naturpillen“ könnten eine kostengünstige Lösung sein, um die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit zu reduzieren, die sich aus der zunehmenden Verstädterung und dem Lebensstil in Innenräume ergeben. „Ärzte können unsere Ergebnisse nun als evidenzbasierte Faustregel verwenden, um Patienten zu erklären, wie das Arzneimittel Natur angewendet werden sollte“, sagt Hunter. Sie und ihre Kollegen hoffen, dass ihre Studie die Grundlage weiterer Forschungen auf diesem Gebiet bilden wird. „Unser experimenteller Ansatz kann nun etwa genutzt werden, um zu beurteilen, wie Alter, Geschlecht, Jahreszeit, körperliche Leistungsfähigkeit und Kultur die Wirksamkeit von Naturerlebnissen auf das Wohlbefinden beeinflussen“, sagt Hunter.

Quelle: Frontiers,  Frontiers in Psychology, doi: 10.3389/fpsyg.2019.00722

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