Weltkarte der Wildtier-Refugien - wissenschaft.de
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Weltkarte der Wildtier-Refugien

Refugien
Der Grünton der Karte markiert Gebiete, die für besonders viele Spezies ein Refugium sind. (Bild: WCS/University of Queensland)

Wo sind Tier- und Pflanzenarten besonders stark durch menschliche Aktivitäten gefährdet – und wo gibt es noch weitgehend unberührte Refugien? Das zeigt nun eine neue Weltkarte, für die Forscher die Belastung von fast 5500 Tierarten durch Jagd, Landwirtschaft, Urbanisierung und andere Bedrohungen ausgewertet haben. Das erschreckende Ergebnis: Ein Viertel dieser Spezies ist in 90 Prozent ihres Lebensraums akut bedroht – für sie gibt es kaum mehr Refugien.

Klar ist: Unsere Präsenz und die von uns verursachten Veränderungen der Natur sind für viele Tier- und Pflanzenarten zur größten Bedrohung ihrer Existenz geworden. „Menschliche Aktivitäten und Landnutzung üben beispiellosen Druck auf die natürliche Umwelt aus und drohen, zehntausende von Arten ins Aussterben zu treiben“, konstatieren James Allan von der University of Queensland in Brisbane und seine Kollegen. „Doch unser Wissen darüber, wo diese Bedrohungen bestehen und wie sie auf der Erde verteilt sind, ist bisher extrem beschränkt.“

Ein Viertel der Spezies hat kaum noch Rückzugsgebiete

Um dies zu ändern, haben Allan und sein Team nun eine erste Weltkarte der Refugien und Bedrohungs-Hotspots zusammengestellt. Dafür kartierten sie zunächst die Verbreitungsgebiete von 5457 exemplarischen Spezies, darunter die von Vögeln, Säugetieren und Amphibien. Für diese Gebiete ermittelten sie dann, in welchem Maße dort acht menschengemachte Belastungen wie Bebauung, Straßen, Felder und Weideflächen, die Lichtverschmutzung oder die Bevölkerungsdichte vorkommen. Durch den Vergleich dieser Daten konnten die Biologen dann rekonstruieren, wie groß die Bedrohung in verschiedenen Bereichen des jeweiligen Artvorkommens ist.

Das Ergebnis: „Im Schnitt sind 38 Prozent des Verbreitungsgebiets jeder Art von einer oder mehreren relevanten Bedrohungen betroffen“, berichten Allan und seine Kollegen. Bei Säugetieren ist es sogar die Hälfte ihres Lebensraums. Doch das ist nur der Durchschnitt. Blickt man genauer hin, haben 1237 Spezies kaum noch unberührte Refugien innerhalb ihrer Lebensräume: „Fast ein Viertel der von uns untersuchten Arten ist in 90 Prozent ihres Verbreitungsgebiets bedroht“, berichtet Allan. „Noch erschreckender ist, dass 395 Spezies sogar in ihrem gesamten Gebiet betroffen sind – sie werden fast mit Sicherheit aussterben, wenn nichts getan wird.“

Südostasien ist am stärksten betroffen

Die Karte zeigt auch: Insgesamt sind bereits 84 Prozent der Erdoberfläche so von uns Menschen verändert und beeinflusst, dass die Natur und ihre Bewohner belastet werden. Besonders stark betroffen sind dabei Lebensräume in Südostasien. Hier leiden mehr Tiere als irgendwo sonst unter dem Fußabdruck des Menschen: „Dies ist der mit Abstand dominante globale Hotspot bei den Belastungen von Spezies“, berichten die Forscher. Vor allem Arten, die in Mangrovenwäldern, tropischen und subtropischen Regenwäldern und auch trockeneren Tropenwäldern leben, sind akut beeinträchtigt.

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Doch es gibt auch Refugien – Gebiete, in denen der menschliche Einfluss bisher für bestimmte Arten noch nicht negativ spürbar ist. Zu diesen gehören Teile des Amazonas-Regenwalds, die Anden, der östliche Himalaya in Nepal und Bhutan und die Tundren und Taiga Russlands und Nordamerikas. Doch wie die Biologen erklären, kann sogar ein ansonsten stark vom Menschen beeinflusste Gebiet für bestimmte Arten zum Refugium werden. So existieren beispielsweise ausgerechnet in den stark beeinträchtigten Regenwäldern Südostasiens Gebiete, in denen zwar mehr als 200 Arten belastet sind, die aber auch für gut 20 andere Spezies ein Refugium darstellen.

„Es gibt noch Hoffnung“

Deshalb betonen die Wissenschaftler, dass ihre Karte nicht nur die Schwere der Biodiversitätskriese verdeutlicht, sondern auch Hoffnung macht: „Alle Bedrohungen, die wir kartiert haben, können durch Naturschutzmaßnahmen gestoppt werden – wir brauchen nur den politischen Willen und die Finanzierung, um es umzusetzen“, sagt Co-Autor James Watson von der Wildlife Conservation Society. „Ein wichtiger Schritt wäre es, proaktiv die noch bedrohungsfreien Refugien dieser Spezies zu sichern, denn sie sind für ihr Überleben entscheidend.“

Quelle: Wildlife Conservation Society, Fachartikel: PLOS Biology, doi: 10.1371/journal.pbio.3000158

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