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Weltwasserbericht: Wasser (nicht) für alle

Trinkwasser
Sauberes Trinkwasser ist längst nicht für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit. (Bild: Bocklandt/ iStock)

Uns erscheint die Ressource Wasser oft als selbstverständlich, denn bei uns herrscht kein Wassermangel. Doch für zwei Milliarden Menschen weltweit sieht dies anders aus. Sie haben noch immer keinen Zugang zu sauberem und ständig verfügbarem Wasser, wie der aktuelle UN-Weltwasserbericht aufzeigt. Schuld am Wassermangel vieler Regionen ist aber nicht nur das Klima – auch unser Konsum lässt anderswo das Wasser knapp werden.

Wasser für unsere Trinkwasserversorgung, aber auch für die Bewirtschaftung von Feldern oder das Tränken von Vieh ist lebensnotwendig. Sicheres Trinkwasser und sanitäre Anlagen gelten daher als Menschenrecht. Als blauer Planet scheint es auf der Erde auch reichlich Wasser zu geben. Doch ein Großteil des irdischen Wassers ist salzig oder als Eis in Gletschern gebunden. Nur rund ein Prozent liegt als Süßwasser in Seen, Flüssen, dem Grundwasser oder anderen für uns verfügbaren Ressourcen vor.

Und diese Ressource wird immer knapper: Durch den Klimawandel fällt in vielen Regionen immer weniger Regen, gleichzeitig steigt die Verdunstung durch die größer werdende Hitze. Als Folge trocknen Böden und Gewässer aus. Dazu kommt eine starke Übernutzung der Wasserressourcen: Weil seit Jahrzehnten mehr Wasser aus Gewässern und dem Grundwasser entnommen wird als durch Niederschläge nachströmen kann, sinken die Pegel. Studien zufolge sind schon jetzt rund ein Drittel der Grundwasser-Vorräte übernutzt. Viele Reservoire sind zudem durch Pestizide, Umweltschadstoffe, Überdüngung oder Versalzung verunreinigt.

Zwei Milliarden Menschen ohne Wasser

Wie es weltweit mit der Wasserversorgung aussieht, dokumentiert der aktuelle Wasserbericht der UN. Demnach leben heute mehr als zwei Milliarden Menschen in Ländern mit hohem Trockenstress und Wassermangel. Ihnen stehen oft nicht einmal die 50 Liter pro Kopf und Tag zur Verfügung, die nach Berechnungen der UNO nötig sind, um die grundlegenden Bedürfnisse zu erfüllen und die öffentliche Gesundheit zu sichern. „Vier Milliarden Menschen leiden zudem in mindestens einem Monat pro Jahr unter schwerer Wasserknappheit – das entspricht fast zwei Dritteln der Weltbevölkerung“, so der Bericht.

Doch nicht nur die Wasserverfügbarkeit ist ein Problem, sondern auch die Qualität: „Drei von zehn Menschen haben keinen Zugang zu sicherem – das heißt sauberem und dauerhaft einfach verfügbarem – Trinkwasser“, so der UN-Bericht. Vor allem in Afrika südlich der Sahara trinken noch immer fast die Hälfte aller Menschen Wasser aus ungeschützten und potenziell mit Schadstoffen und Krankheitserregern kontaminierten Quellen. Armut und unzureichende Infrastruktur sorgen dafür, dass es keine Wasserleitungen und meist auch keine sanitären Anlagen gibt. Dadurch haben laut UN-Bericht sechs von zehn Menschen keinen Zugang zu sicheren Sanitäranlagen und jeder Neunte verrichtet seine Notdurft im Freien.

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Unser Konsum hat Mitschuld

Einer der Gründe für den Wassermangel in vielen Regionen ist neben Klimawandel und Armut der Wasserverbrauch: „Der Wasserverbrauch steigt seit den 1980er Jahren weltweit um etwa ein Prozent pro Jahr, aufgrund von Bevölkerungswachstum, sozioökonomischer Entwicklung und sich änderndem Konsum“, so der Weltwasserbericht. Schätzungen zufolge wird die Wassernachfrage weltweit bis 2050 mit ähnlicher Rate weiter ansteigen. Verantwortlich dafür sind aber nicht nur die Bewohner der trockenen Regionen, sondern auch wir. Denn die Rohstoffe für viele unserer Konsumprodukte werden unter großem Wasserverbrauch in ärmeren und meist auch wasserärmeren Ländern produziert.

„Es ist wichtig, dass gerade auch die Konsumenten in den als wasserreich geltenden Industrieländern den globalen Zusammenhang im Hinblick auf ihren Verbrauch besser verstehen und dann auch gegensteuern“, erklärt Stefan Liehr vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE). „Indem wir Nahrungsmittel und andere Produkte, wie zum Beispiel Baumwolle, die oft in wasserarmen Ländern angebaut oder hergestellt wird, konsumieren, tragen wir dazu bei, dass in anderen Regionen der Erde prekäre Wasserressourcen übernutzt und Ökosysteme gefährdet werden.“


(Video: UNESCO)

Quelle: UNESCO, UN-Weltwasserbericht 2019

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