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Weniger Brustkrebs nach Rückgang der Hormonersatztherapien

Die Zahl der Brustkrebsfälle bei älteren Frauen ist in den USA im Jahr 2003 innerhalb weniger Monate ungewöhnlich stark gefallen ? ein Effekt, der wahrscheinlich auf einen drastischen Rückgang von Hormonersatztherapien in den Wechseljahren zurückzuführen ist. Viele Frauen über 50 hatten diese Behandlungen abgebrochen, nachdem im Sommer 2002 eine große Studie wegen eines erhöhten Brustkrebs- und Herzinfarktrisikos durch die Hormongaben abgebrochen worden war. In genau dieser Altergruppe betrug der Rückgang der Brustkrebsfälle zwischen den Jahren 2002 und 2003 bis zu zwölf Prozent, berichteten Peter Ravdin von der Universität von Texas in Houston und seine Kollegen auf einem Brustkrebssymposium in San Antonio.

In ihrer Studie werteten Ravdin und sein Team Daten zu Brustkrebserkrankungen in den USA von 1990 bis Ende 2003 aus. Zwischen 1990 und 1998 gab es einen regelmäßigen Anstieg der Fälle von 1,7 Prozent pro Jahr, und ab 1998 begann die Zahl der Erkrankungen um etwa ein Prozent jedes Jahr abzunehmen. Anfang 2003 gab es dann jedoch einen ungewöhnlich scharfen Knick in der Kurve: Innerhalb weniger Monate fiel die Menge der Brustkrebsfälle im Durchschnitt um sieben Prozent ab. Eine genauere Analyse zeigte, dass das besonders auf die Abnahme der Erkrankungen bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zurückzuführen war und hauptsächlich die Brustkrebsarten betraf, deren Wachstum durch Hormone wie Östrogene
und Gestagene beschleunigt wird. In dieser Gruppe betrug die Abnahme sogar 12 Prozent, so die Forscher.

Da die Studie eine rein statistische Analyse war, könne keine sichere Aussage über die Ursache dieser ungewöhnlichen Entwicklung daraus abgeleitet werden, erklärte Ravdin. Trotzdem halten die Wissenschaftler es für so gut wie sicher, dass der Effekt auf die Veränderung bei den Hormonersatztherapien zurückgeht: Während im Jahr 2000 Ravdins Angaben nach noch dreißig Prozent der Frauen über 50 Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden einnahmen, stoppte etwa die Hälfte von ihnen die Behandlung nach der Veröffentlichung der Risiken im Sommer 2002. Da die hormonsensitiven Tumorarten bei Hormonentzug aufhören zu wachsen, sei es demnach durchaus möglich, dass sich diese Umstellung in einem deutlichen Abfall der diagnostizieren Fälle zeige, so der Wissenschaftler.

An der „Women’s Health Initiative (WHI)“-Studie hatten mehr als 16.000 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren teilgenommen. Nach fünf Jahren wurde die Studie vorzeitig beendet, da sowohl das Brustkrebs- als auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko in der Hormongruppe erheblich erhöht war. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt daher allen Frauen, Nutzen und Risiken einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren sorgfältig abzuwägen und nur in dringenden Fällen Hormone einzunehmen.

Peter Ravdin (Universität von Texas, Houston) et al.: Beitrag auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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