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Umwelt+Natur

Weniger Tierarten – mehr Krankheitserreger

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Weißfußmaus (Peromyscus leucopus). Credit: J. Brunner, 2008
Der zunehmende Verlust der Artenvielfalt fördert die Verbreitung von Krankheitserregern und gefährdet so die Gesundheit des Menschen. Zu dieser Schlussfolgerung kommen US-amerikanische Forscher nach der Auswertung einiger früherer Studie zum Thema. Der Grund für den Anstieg der Infektionskrankheiten bestehe vor allem darin, dass sich dank des Aussterbens vieler Tiere und Pflanzen vor allem Organismen vermehren können, die die Verbreitung von Krankheitserregern direkt oder indirekt fördern. Betroffen seien dabei alle möglichen pathogenen Organismen – Viren, Bakterien und auch Pilze, berichtet das Team um Felicia Keesing vom Bard College in New York.

Mit dem steilen Zuwachs der Weltbevölkerung sinkt die Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich – unter anderem, weil Wälder abgeholzt werden, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen. Dadurch sterben nicht nur Bäume, sondern auch Tiere, die ihren natürlichen Lebensraum verlieren. Vor allem in den vergangenen 50 Jahren hat die Biodiversität große Verluste erlitten: Wissenschaftler gehen davon aus, dass die gegenwärtige Aussterberate die vergangener Epochen um das 100- bis 1000-Fache übersteigt. Und in den nächsten 50 Jahren werden vermutlich noch einmal 100-mal mehr Arten aussterben als jetzt.

Die Wissenschaftler gingen in ihrer Übersichtsstudie der Frage nach, welche Folgen der massive Rückgang der Biodiversität für die Verbreitung von Infektionskrankheiten hat. Theoretisch gibt es zwei denkbare Effekte: Auf der einen Seite könnte ein Verlust der Artenvielfalt bedeuten, dass auch die Zahl der Krankheitserreger zurückgeht – schließlich sei es vorstellbar, dass umso weniger Parasiten überleben, je spärlicher die Tier- und Pflanzenwelt ist. Andererseits könnte der Schwund der Artenvielfalt auch den gegenteiligen Effekt haben und die Ausbreitung von Krankheitserregern begünstigen. Tatsächlich wurde dieses Szenario durch die Daten gestützt, die den Forschern vorlagen. Offenbar gehören demnach die Pflanzen und Tiere, die am ehesten aussterben, häufig zu den Arten, die krankmachende Mikroben sozusagen abfangen – etwa weil sie sich nur untereinander damit anstecken und nicht oder nur wenig mit anderen Arten in Kontakt kommen. Die robusten Arten hingegen, die es schaffen, zu überleben, sind häufig auch diejenigen, die Krankheitserreger wie dem West-Nil-Virus oder dem Hantavirus den Weg ebnen – zum Beispiel, weil sie zwar selber nicht krank werden, aber als sogenannte Vektoren fungieren, als Überträger von Krankheitserregern.

Dieser Zusammenhang betrifft viele Ökosysteme: Zum Beispiel ist das in Nordamerika beheimatete Opossum durch die Abholzung der Wälder stark vom Aussterben bedroht. Die Weißfußmaus hingegen vermehrt sich dabei prächtig – und mit ihr die Parasiten: Das Nagetier ist der Wirt von Hirschzecken. Und die dienen wiederum als Vektor für Bakterien, die die für den Menschen gefährliche Infektionskrankheit Lyme-Borreliose auslösen können.

Die Wissenschaftler fordern daher, dass auch aus Gründen des Infektionsschutzes bestehende Ökosysteme bewahrt werden sollten, um die Arten zu erhalten. Wenn die Artenvielfalt weiterhin schrumpft und die Barriere zwischen Mensch und Tier immer kleiner wird, dann sei die ideale Grundlage für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten geschaffen, so die Forscher. Sie empfehlen zusätzlich die vermehrte Kontrolle von landwirtschaftlichen Betrieben, in denen besonders viele Tiere gehalten werden. Dadurch lasse sich die Wahrscheinlichkeit reduzieren, dass Krankheitserreger von Nutztieren auf den Menschen überspringen.

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Felicia Keesing (Bard College in New York) et al.: Nature, 10.1038/nature09575 dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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