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Wenn die Kleinen mitrauchen

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Rauchen schadet nicht nur dem Raucher selbst. Bild: Martin Büdenbender / pixelio.de
Passivrauchen schadet vor allem Kindern, hat ein internationales Forscherteam in einer umfangreichen Studie belegt: Weltweit sterben jährlich über 600.000 Menschen an den Folgen des Mitrauchens, 165.000 und damit mehr als ein Viertel davon sind Kinder. Hauptursache dieses Problems: Während es in vielen Ländern bereits Gesetze gibt, die das Rauchen an öffentlichen Plätzen eindämmen sollen, wird zu Hause kräftig gepafft. Und darunter leiden eben besonders die Kinder – vor allem in ärmeren Ländern, berichten die Wissenschaftler um Mattias Öberg vom Karolinska-Institut in Stockholm.

Fast jeder sechste Mensch auf der Welt raucht: Etwa 1,2 Milliarden Raucher setzen täglich ihre Mitmenschen dem blauen Dunst aus – und damit auch einem erhöhten Risiko folgenschwerer Krankheiten. Obwohl es bereits in 17 Ländern gesetzlich untersagt ist, am Arbeitsplatz und an öffentlichen Orten zu qualmen, leben 93 Prozent der Weltbevölkerung in Staaten, in denen es noch immer keine Regelungen gibt, die das Mitrauchen einzudämmen helfen. Welches Ausmaß das Passivrauchen tatsächlich hat und welche Folgen es nach sich zieht, war bislang nur für einige wenige Länder eruiert worden, eine weltweite Statistik gab es nicht. Die Forscher werteten in der aktuellen Studie daher umfangreiche Daten aus dem Jahr 2004 zu den Folgen des Passivrauchens für die nicht rauchende Bevölkerung aus 192 Nationen aus.

Ergebnis: Jeder hundertste widernatürliche Tod ist auf die Folgen des Passivrauchens zurückzuführen, insgesamt erlagen über 600.000 Menschen innerhalb eines Jahres Erkrankungen, die auf unfreiwillig eingeatmeten Rauch zurückzuführen waren. Mehr als die Hälfte davon starb an Herzerkrankungen, andere fanden durch Atemwegserkrankungen, Asthma oder Lungenkrebs den frühzeitigen Tod. Darunter waren 165.000 Kinder – mehr als 25 Prozent aller Todesfälle. Verwunderlich sei das nicht, kommentieren die Forscher, denn 40 Prozent aller Passivraucher weltweit sind Kinder. Vor allem in den ärmeren Ländern leiden die Kleinen unter dem Zigarettenqualm: Während in den reicheren Ländern Europas 71 Kinder und 35.388 Erwachsene starben, waren es in allen afrikanischen Staaten insgesamt 43.375 Kinder und 9.514 Erwachsene. Die Forscher vermuten, dass vor allem das Zusammenspiel von Infektionskrankheiten und Tabakrauch tödlich wirke.

Die Wissenschaftler betonen, dass in Ländern, in denen es gesetzliche Regelungen für das Rauchen an öffentlichen Plätzen gibt, die Gefahren durch Passivrauchen massiv gesenkt sind: An Orten, an denen besonders viel geraucht wird wie in Bars und Restaurants, ist die Belastung durch den ungewollten Qualm um 90 Prozent gesenkt. Doch die Gesetze schützen nicht nur Nichtraucher: Die rauchfreien Zonen helfen auch Rauchern, das Laster loszuwerden und senken den allgemeinen Zigarettenkonsum, so die Forscher. Nichtsdestotrotz fordern sie angesichts der Studienergebnisse zusätzliche Initiativen, die vor allem Kinder vor dem Passivrauchen schützen. Denn die sind vor allem zu Hause dem Zigarettenrauch ausgesetzt: Eine frühere Studie mit Daten aus 31 Ländern zeigte, dass 88 Prozent aller rauchenden Eltern auch zu Hause nicht auf den Glimmstängel verzichten können, und 80 Prozent davon rauchen sogar in unmittelbarer Nähe ihrer Kinder.

Mattias Öberg (Karolinska-Institut in Stockholm) et al.: Lancet, 10.1016/S0140-67361061388-8 dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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