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Wenn Väter postnatale Depressionen haben

Frischgebackene Väter können genauso wie Mütter unter postnatalen Depressionen leiden. Das spiegelt sich auch in der Entwicklung ihrer Kinder wider, hat ein britisch-amerikanisches Forscherteam entdeckt: Kinder von Vätern, die acht Wochen nach der Geburt depressiv waren, zeigten im Alter von dreieinhalb Jahren mehr Verhaltensauffälligkeiten als Kinder unbelasteter Väter. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Söhnen.

Die Wissenschaftler untersuchten für ihre Studie mehr als 8.400 Väter und Mütter acht Wochen nach der Geburt ihrer Kinder auf Anzeichen von Depressionen. Um mögliche postnatale Depressionen von chronischen depressiven Störungen zu unterscheiden, wiederholten die Forscher diese Untersuchung bei den Männern knapp 20 Monate später. Das Ergebnis: Vier Prozent der befragten Männer zeigten eindeutige Zeichen einer postnatalen Depression, bei den Frauen waren es etwa zehn Prozent.

Um einen möglichen Einfluss der väterlichen Depression zu bestimmen, baten die Wissenschaftler die Mütter, das Verhalten und die emotionale Ausgeglichenheit der Kinder im Alter von 42 Monaten zu beschreiben. Dabei waren Kinder von Vätern mit postnatalen Depressionen deutlich häufiger hyperaktiv und hatten häufiger Verhaltensprobleme, zeigte die Auswertung. Auf die emotionale Ausgeglichenheit hatten die väterlichen Depressionen dagegen keinen Einfluss ? im Gegensatz zu mütterlichen Depressionen, die sehr häufig mit ungewöhnlicher Traurigkeit oder Ängstlichkeit bei den Kindern einherging. Während Depressionen bei den Müttern außerdem Söhne und Töchter gleichermaßen beeinflussten, wirkten sich väterliche Depressionen sehr viel stärker auf die Söhne aus.

Auf welche Weise eine Depression beim Vater in den ersten Lebenswochen des Kindes die spätere Entwicklung beeinflusst, wissen die Forscher bislang noch nicht. Möglicherweise verändere die Depression die Art, wie ein Vater mit seinem Kind umgehe oder beeinträchtige die Beziehung zur Mutter, spekulieren sie. Da bislang jedoch praktisch ausschließlich der Effekt mütterlicher Depressionen auf die kindliche Entwicklung untersucht worden sei, existierten zu wenig Daten, um den genauen Mechanismus beschreiben zu können. Offensichtlich spiele die väterliche Depression aber ein wichtige Rolle, die in weiteren Studien intensiver untersucht werden müsse.

Paul Ramchandan ( Universität Oxford) et al.: The Lancet, Bd. 365, S. 2201

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