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Umwelt+Natur

Werkzeug in die Wiege gelegt

Krähen haben eine angeborene Begabung für die Herstellung und den Gebrauch von Werkzeugen. Das haben britische Forscher bei Versuchen mit vier jungen Neukaledonischen Krähen herausgefunden, die komplett isoliert von ihren Artgenossen aufgewachsen waren. Obwohl die Tiere noch nie andere Krähen beim Werkzeuggebrauch beobachtet hatten, verwendeten sie wie selbstverständlich kleine Äste und Zweige, um Futter aus engen Spalten zu angeln. Eine der Krähen fertigte aus einem Blatt sogar ein Werkzeug eigens zu diesem Zweck an, berichten Alex Kacelnik und seine Kollegen von der Oxford-Universität im Fachmagazin Nature (Bd. 433, 13. Januar, S. 121).

Neukaledonische Krähen sind unter Biologen schon lange für ihre geschickte Verwendung von Werkzeugen aus Zweigen und Blättern in freier Wildbahn bekannt. Vor gut zwei Jahren verblüffte jedoch die Krähendame „Betty“ die Wissenschaftler um Kacelnik, als sie aus einem Draht einen Haken bog, um an Futter in einer Glasröhre zu gelangen. Eine solche gezielte Herstellung von Werkzeug war bis dahin nicht einmal bei Schimpansen, den nächsten Verwandten des Menschen, beobachtet worden.

Offenbar sind den Krähen diese Fähigkeiten sogar angeboren und müssen nicht, wie anderen werkzeugnutzenden Tierarten, erlernt werden, legt die neue Studie der Wissenschaftler nahe. Die Forscher hatten zwei der vier Krähen immer wieder gezeigt, wie mit einem Zweig Futter aus einem engen Spalt gezogen werden kann. Die anderen beiden Tiere hatten dagegen noch nie die Benutzung eines Werkzeugs beobachtet. Als die Wissenschaftler die Krähen jedoch in ein natürlich gestaltetes Freifluggelände ließen, benutzen alle vier Tiere kleine Äste und Stöcke, um an versteckte Leckerbissen zu gelangen. Das Männchen „Corbeau“ riss und schnitt sogar so lange an einem Blatt herum, bis es dieses ebenfalls als Werkzeug verwenden konnte.

Dieses Verhalten zeigt nach Ansicht der Forscher, dass die Krähen auch in der Natur wahrscheinlich nicht auf Lehrer oder Vorbilder angewiesen sind. Möglicherweise werden jedoch bestimmte Techniken oder Werkzeugformen innerhalb einer Gruppe übernommen, vermuten die Wissenschaftler, denn das von „Corbeau“ angefertigte Blattwerkzeug habe eine vollkommen andere Form gehabt als die in freier Wildbahn verwendeten, aus den gleichen Blättern hergestellten Hilfsmittel.

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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