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Wertvolle Schmarotzer

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Ihr Mageninhalt soll im Regenwald lebende Säugetiere verraten: Blutegel. Foto: Kopenhagen Zoo
Regenwälder sind der optimale Ort für Tiere, um unerkannt zu bleiben. Ein internationales Forscherteam hat nun einen einfachen Weg gefunden, zumindest nachzuweisen dass und wo sie leben ? anhand des ?Mageninhalts? von Blutegeln.

Nur selten haben Wissenschaftler die asiatische Antilope Saola ( Pseudoryx nghetinhensis) zu Gesicht bekommen. Eines der wenigen Exemplare hatten 2010 Jäger in der Laos gefangen. Die Versuche des Biologen Nicholas Wilkinson von der University in Cambridge, eines der Tiere vor eine Kamera zu locken, schlugen fehl.

Angeregt durch eine Studie eines Teams um Thomas Gildert von der Universität von Kopenhagen wandte er eine sehr viel einfachere und effektivere Methode an, um den seltenen Säugetieren auf die Spur zu kommen: Er sammelte Blutegel. Wilkinson hatte im Rahmen einer anderen Studie getestet, inwieweit die DNA von Ziegen in den Mägen von Blutegeln nachgewiesen werden kann. Das Ergebnis zeigte: Über vier Monate.

In der Hoffnung, so einen weiteren Nachweis auf die Saola zu bekommen, sammelten die Wissenschaftler Blutegel in den Annamite Mountains im Westen Vietnams. Und tatsächlich: In 21 von 25 Blutegeln fanden die Forscher DNA von seltenen Säugetieren. Darunter der Vietnamesische Sonnendachs ( Melogale cucphuongensis), die Hirschart Annam-Muntjak (Muntiacus truongsonensis), eine Ziegenantilope, und das Annamitische Streifenkaninchen (Nesolagus timminsi), das erst seit 1996 bekannt ist und das sich bislang jeder aufgestellten Nachbildkamera entzogen hat.

?Eine Saola haben wir zwar nicht gefunden, aber die Methode ist sehr vielversprechend, so dass wir sie sicher bald nachweisen können ? genauso wie so ziemlich jedes andere Säugetier, das im Regenwald lebt?, freut sich Nicholas Wilkinson. Da sich in den Mägen der Blutegel jeweils nur Blut des letzten Wirtes befindet, entspricht der DNA-Nachweis des Wirts auch einer recht genauen Ortsangabe, vermuten die Forscher
Auch Teammitglied Pierre Taberlet von der Fourier Universität in Grenoble ist sich sicher, dass die Methode in Zukunft häufiger zum Einsatz kommt: ?Untersuchungen, die sich mit der Biodiversität beschäftigen, werden bis in zehn Jahren über DNA erfolgen.? Denn größtenteils reichen den Wissenschaftlern auch DNA-Bruchstücke aus, um sie einer Art zuzuordnen. Für die Zukunft würde das heißen, nicht mehr stundenlange Videoaufzeichnungen zu sichten, Fellbüschel oder Exkremente einzusammeln oder Fußabdrücke aufzunehmen.

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Thomas Gilbert (Universität Kopenhagen) et al.: Nature, doi: 10.1038/484424a © wissenschaft.de ? Marion Martin
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