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Wetterextreme: Kein Zufall mehr

Überschwemmung
Überschwemmung nach Starkregen in Bayern (Foto: s-eyekaufer/ iStock)

Ob der Hitzesommer von 2018, extremer Monsunregen oder die Häufung besonders intensiver Hurrikans – in der letzten Zeit scheinen sich die Wetterextreme immer mehr zu häufen. Aber ist das schon der Effekt des Klimawandels oder doch nur eine natürliche Schwankung? In der bisher umfangreichsten Studie zu dieser Frage kommen Klimaforscher nun zu einem eindeutigen Schluss: Die Zunahme der Wetterextreme geht signifikant über die natürliche Variabilität hinaus – schuld an ihr ist der Klimawandel.

Vor allem in diesem Jahr schien das Klima zeitweilig wie außer Kontrolle: Im hohen Norden herrschten im Sommer Temperaturen von bis zu 30 Grad, fast überall auf der Nordhalbkugel wurden neue Hitzerekorde erreicht und in Europa regnete es monatelang kaum einen Tropfen. In anderen Regionen wiederum sorgten Starkregen und Stürme für schwere Überschwemmungen, vor allem in Asien, aber auch nach Hurrikans in den USA.

Vom Bauchgefühl zur statistischen Überprüfung

Der Grund für diese Häufung von Wetterextremen scheint naheliegend: Schon seit Jahren prognostizieren Klimaforscher, dass durch die globale Erwärmung auch solche Ereignisse häufiger werden. Ein Faktor ist ein sich verlangsamender Jetstream, durch den Hochs und Tiefs länger über einer Region verharren – und so die jeweils herrschende Wetterlage verstärken. Ein weiterer ist die Tatsache, dass wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann – und daher auch die Niederschläge heftiger werden.

Doch sind die in letzter Zeit beobachteten Wetterextreme schon erste Symptome dieser vorhergesagten Effekte? „Es stellt sich die Frage, ob unser ‚Gefühl‘ auch statistisch verifiziert werden kann“, sagen Jascha Lehman vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und seine Kollegen. Um das herauszufinden, haben sie erstmals systematisch die Veränderungen monatlicher Rekord-Niederschlagsereignisse aus aller Welt analysiert und quantifiziert. Dafür zogen sie Daten von 50.000 Wetterstationen weltweit heran.

Signifikante Veränderungen

Es zeigten sich tatsächlich auffallende Veränderungen bei den Niederschlägen: In den USA stiegen die rekordnassen Monate in den östlichen und zentralen Regionen im Zeitraum 1980 bis 2013 um mehr als 25 Prozent an. In Argentinien und den angrenzenden Ländern nahmen sie sogar um 32 Prozent zu, wie die Forscher berichten. In Mittel- und Nordeuropa liegt der Anstieg zwischen 19 und 37 Prozent. Im asiatischen Teil Russlands wuchsen sie um rund 20 Prozent an, während Südostasien einen Anstieg von rund zehn Prozent aufweist.

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Allgemein stellten die Klimaforscher einen deutlichen regionalen Trend fest: „Eine zentrale Schlussfolgerung unserer Studie ist, dass die Landregionen in den Tropen und Subtropen im Allgemeinen mehr Trockenrekorde und die nördlichen mittleren bis hohen Breiten mehr Nässerekorde erleben – dies entspricht weitgehend den Mustern, die Wissenschaftler durch den menschgemachten Klimawandel erwarten“, sagt Lehmann.

„Gezinkte Würfel“

Aber wie signifikant sind diese Veränderungen? Die statistische Auswertung ergab, dass es zumindest in einigen Regionen bereits klare Anzeichen für einen Klimawandel-Effekt gibt: Signifikante Veränderungen der Trockenextreme sehen die Forscher in Afrika südlich der Sahara und in der Sahel-Zone, wo die Trockenrekorde um bis zu 50 Prozent zugenommen haben. „Das bedeutet, dass etwa jeder dritte rekordtrockene Monat in diesen Regionen nicht ohne langfristigen Klimawandel stattgefunden hätte“, sagt Co-Autor Dim Coumou von der Freien Universität Amsterdam.

Nach Ansicht der Forscher ist damit klar bestätigt, dass die Zunahme der Wetterextreme keine rein natürliche Schwankung mehr ist, sondern zumindest in einigen Gebieten auf den Klimawandel zurückgeht. „Es ist wie beim Würfeln: Im Durchschnitt bekommt man bei einem von sechs Mal eine sechs“, sagt Lehmann. „Aber durch die Einlagerung großer Mengen an Treibhausgasen in der Atmosphäre hat die Menschheit die Würfel gezinkt. In vielen Regionen werfen wir viel häufiger Sechsen mit schwerwiegenden Auswirkungen für Gesellschaft und Umwelt.“

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Fachartikel: Geophysical Research Letters, doi: 10.1029/2018GL079439

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