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Umwelt+Natur

Wettlauf auf Kosten des Planeten

Nachhaltigkeit
Mehr Nachhaltigkeit tut Not. (Bild: amriphoto/ iStock)

Nachhaltiges Wachstum bedeutet für ein Land, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen, ohne dabei Raubbau an den Ressourcen der Erde insgesamt und denen anderer Staaten zu betreiben. Wie gut dies 148 Ländern weltweit gelingt, haben nun Wissenschaftler untersucht. Das Ergebnis: Kein Land der Erde erreichte in den vergangenen drei Jahrzehnten soziale Mindestanforderungen, ohne dabei ökologische Grenzen zu übertreten.

Die Menschheit verbraucht konstant mehr Ressourcen, als die Erde und ihre natürlichen Systeme in der gleichen Zeit nachproduzieren kann – das verdeutlicht jedes Jahr der sogenannte Earth Overshoot Day. Damit überschreiten wir in vielen Bereichen bereits die planetaren Grenzen, jenseits derer wichtige Kreisläufe aus dem Gleichgewicht geraten. Andererseits aber sind Rohstoffe notwendig, um die wirtschaftlichen und sozialen Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu stillen.

148 Länder auf dem Prüfstand

Das wirft die Frage auf, wie die verschiedenen Länder und Gesellschaften weltweit mit dieser Balance umgehen. Wem gelingt es, die Grundbedürfnisse der Menschen zu erfüllen und dabei trotzdem noch nachhaltig zu agieren? „Jeder braucht ein ausreichendes Maß an Ressourcen, um gesund zu sein und in Würde an der Gesellschaft teilzunehmen, aber wir müssen auch sicherstellen, dass der globale Ressourcenverbrauch nicht so hoch ist, dass wir Klima- und Umweltzerstörung verursachen“, erklärt Andrew Fanning von der University of Leeds. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er für 148 Länder weltweit untersucht, wie gut sie die Sicherung sozialer Grundbedürfnisse mit einer nachhaltigen Wirtschaft verknüpfen.

Für die Studie analysierte das Forschungsteam die nationalen Daten zu ressourcenbezogenen Faktoren wie CO2-Emissionen, Materialverbrauch oder die Intensität der Landnutzung und elf sozialen Grundbedürfnissen wie Ernährung, Lebenserwartung, Einkommen oder demokratische Qualität. Dazu kamen der ökologische und Material-Fußabdruck der Staaten. Anhand dieser Faktoren untersuchten die Wissenschaftler dann, ob und wie stark das jeweilige Land wichtige planetare Grenzen beispielsweise in Form biogeochemischer Stoffflüsse, Landveränderung und Klima überschreitet.

Ökologische Grenzen gerissen

Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Kein Land der Erde erreichte in den vergangenen drei Jahrzehnten soziale Mindestanforderungen, ohne dabei ökologische Grenzen zu übertreten. „Obwohl Milliarden Menschen in Ländern leben, die die meisten sozialen Anforderungen in unserer Analyse nicht erreichen, überschreitet die Menschheit kollektiv sechs der sieben globalen biophysikalischen Grenzen des Planeten“, berichten Fanning und seine Kollegen. Zwar konnten die meisten Länder ihre soziale Grundversorgung in den letzten dreißig Jahren insgesamt verbessern. Der Anteil an Nationen, die ihren fairen Ressourcenanteil überschreiten, steigt allerdings parallel dazu, insbesondere in Bezug auf Kohlendioxidemissionen und Materialverbrauch.

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Dabei gibt es jedoch starke Unterschiede zwischen den Ländern und Regionen: Reichere Länder verbrauchen wesentlich mehr Ressourcen als ihrem gerechten Anteil gemessen am Bevölkerungsanteil entspricht. Dazu gehört auch Deutschland: „Deutschland ist eines von vier Ländern, die 2015 alle sozialen Grundbedürfnisse erfüllten. Gleichzeitig überschreitet Deutschland aber durch hohen Konsum seinen fairen Anteil an fast allen Ressourcen der Erde“, erklärt Nicolas Roux von der Universität für Bodenkultur Wien. „Im Durchschnitt verursacht der Konsum in Deutschland doppelt so viel Umweltbelastung, als das was der gerechte Anteil des Landes an globalen Ressourcen erlauben würde.“

„Wirtschaftssysteme müssen umgedacht werden“

Im Gegensatz dazu verbrauchen ärmere Länder zwar weniger Ressourcen, erreichen aber auch ihre sozialen Ziele nicht oder zu langsam. „Das Ziel muss sein, soziale Mindestanforderungen zu erreichen und dabei möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen“, sagt Roux. Reichere Länder sollten deshalb ihren Ressourcenverbrauch drastisch reduzieren, um eine kritische Zerstörung des Planeten zu vermeiden. Eine weitere Entwicklung wie bisher sei keine Option, so der Forscher. Die Ergebnisse demonstrieren seiner Ansicht nach eindeutig, dass Wirtschaftssysteme umgedacht werden müssen – weg von unendlichen Wachstumsparadigmen, hin zu weniger Konsum und mehr globaler Gerechtigkeit.

Quelle: Humboldt-Universität zu Berlin; Fachartikel: Nature Sustainability, doi: 10.1038/s41893-021-00799-z

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