Wettstreit der Hormone - wissenschaft.de
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Wettstreit der Hormone

Der Hormonspiegel machtbewusster Männer verändert sich bei einem Wettstreit ähnlich wie der eines Schimpansen. Bei eher zurückhaltenden Männern ähnelt der Verlauf hingegen dem des Bonobos. Das haben US-Forscher in einer Studie herausgefunden, in der sie den Hormonspiegel beider Menschenaffenarten vor und nach einem Konkurrenzkampf um Nahrung untersucht haben. Die friedlicheren Bonobos schütteten das Stresshormon Cortisol aus, während in den Schimpansen erhöhte Mengen von Testosteron gemessen wurden, das mit aggressivem Verhalten assoziiert wird.

Schimpansen leben in männlich dominierten Gemeinschaften, in denen die Aufrechterhaltung des Status höchstes Gebot ist und aggressive Auseinandersetzungen an der Tagesordnung sind. Bonobos hingegen verhalten sich oftmals gemäßigter. Die Wissenschaftler maßen den Hormonspiegel im Speichel der Affen, vor und nachdem jeweils zwei Bonobos oder Schimpansen mit einer schmackhaften Mahlzeit konfrontiert worden waren. Viele Männchen beider Spezies wollten nicht mit ihren Artgenossen teilen. Dieses Verhalten äußerte sich auch in Veränderungen des Hormonspiegels. Doch welche Hormone ausgeschüttet wurden, unterschied sich sehr stark bei beiden Arten.

Die Schimpansen sahen in dem bevorstehenden Wettstreit um das Essen eine Bedrohung ihres Status und reagierten dementsprechend aggressiv. Dieses Verhalten wurde durch eine erhöhte Ausschüttung des Geschlechtshormons Testosteron hervorgerufen, dass mit Konkurrenzkampf und aggressiven Verhalten assoziiert wird. Die Bonobo-Männchen hingegen fühlten sich in Erwartung einer Auseinandersetzung eher gestresst. Daher neigte das weniger dominante Männchen der beiden Konkurrenten dazu, das Essen widerstandslos seinem Artgenossen zu überlassen. Dieses Verhalten ging einher mit einem Anstieg des Stresshormons Cortisol, das in einer belastenden Situation einen passiven Gemütszustand auslöst.

Dieses Verhalten lässt sich auch auf den Menschen übertragen. Ähnlich wie bei den Bonobos reagiert der Durchschnittsmann auf einen bevorstehenden Konkurrenzkampf mit einem Cortisolschub, während ein nach Macht und Einfluss strebender Mann von einem Anstieg des Testosteronspiegels beeinflusst wird. Doch in einem Punkt unterschied sich der Mensch von seinen nächsten Verwandten: Frühere Studien zeigten, dass je nachdem, ob der Wettstreit gewonnen oder verloren wird, der Testosteronspiegel auch noch im Anschluss an den Konflikt steigt oder fällt. Dies konnte jedoch nicht bei den streitlustigen Schimpansen beobachtet werden.

Victoria Wobber (Harvard-Universität) et al.: PNAS, Online-Veröffentlichung, doi:10.1073/pnas.1007411107 ddp/wissenschaft.de ? Gwydion Brennan
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