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Wie aus den Bösen wieder die Guten werden

Das Abschalten eines einzelnen Gens kann aus entarteten Leberkrebszellen wieder normale, funktionsfähige Leberzellen machen. Das haben amerikanische Wissenschaftler an genetisch veränderten Mäusen gezeigt. Der Effekt der Genblockade war dabei deutlich ausgeprägter, als die Forscher erwartet hatten: Anstatt einfach nur wie vermutet das Tumorwachstum zu stoppen, verwandelte das Abschalten des Gens die bösartigen Zellen sogar wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Dean Felsher von der Stanford-Universität und seine Kollegen beschreiben ihre Studie in der Fachzeitschrift Nature (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nature.03043).

Wenn sich das Erbgut einer Zelle massiv verändert, wird dadurch häufig ein so genanntes Onkogen angeschaltet. Solche Gene enthalten die Information für den Bau von Eiweißmolekülen, die der Zelle befehlen, sich immer wieder zu teilen. Die Folge: Die Zelle entartet, und es entsteht Krebs. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Onkogene ein vielversprechender Angriffspunkt für neue Krebstherapien sein könnten. So konnte beispielsweise das Wachstum verschiedener Tumorarten durch Blockierung eines Onkogens oder seines Eiweißprodukts gestoppt werden.

Mit einem solchen Stillstand hatten die Forscher auch bei den Mäusen gerechnet, die aufgrund einer Überproduktion des Onkogeneiweißes Myc an Leberkrebs litten. Als die Wissenschaftler jedoch das Myc-Gen ausschalteten, bildeten sich die Tumoren vollständig zurück. Weitere Untersuchungen zeigten keinerlei entartete Zellen mehr, alle ehemaligen Tumorzellen verhielten sich wieder wie völlig normale Leberzellen. Dies war besonders deshalb so unerwartet, weil Leberkrebs zu den am schwersten heilbaren Krebsarten gehört, schreiben die Forscher.

Die Wissenschaftler hoffen, diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen zu können. Dabei müsse dann die Wirkung des Myc-Proteins blockiert werden, anstatt das Gen abzuschalten. Doch Studienleiter Felsher warnt vor verfrühter Hoffnung: Einige der scheinbar normalen Zellen in den Mäusen seien nach wie vor Krebszellen gewesen, die lediglich schliefen. Das zeige sich daran, dass sie sofort wieder Tumoren bildeten, wenn das Myc-Gen erneut angeschaltet wurde. Dieser Befund könne auch erklären, warum viele Krebsarten nach einer Chemotherapie wieder aufflammen.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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