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Umwelt+Natur

Wie die Wale lernten, Möwen zu fressen

Killerwale ahmen Verhaltensweisen ihrer Artgenossen nach. Das haben amerikanische Forscher in einem Großaquarium im kanadischen Niagara Falls beobachtet. Dort hatte ein Wal gelernt, mit einem Jagdtrick Möwen zu fangen und dieses Wissen an seinen Halbbruder weitergegeben. Da solches kulturelles Lernen bereits bei Delfinen und Schimpansen beobachtet wurde, dürfte es im Tierreich weiter verbreitet sein als bisher angenommen.

Die Wissenschaftler um Michael Noonan vom Canisius-College in Buffalo beobachteten in ihrer Arbeit die auch Schwertwale oder Orcas genannten Killerwale . Auffallend war die Taktik eines der Männchen: Der Wal lockte Möwen an sein Becken an, indem er erbrochenen Fisch auf die Wasseroberfläche spuckte. Sobald eine Möwe den Fisch ergreifen wollte, stürzte sich der Killerwal mit offenem Maul auf den hilflosen Vogel. Einige Monate später beobachteten die Forscher, wie der Halbbruder des Killerwals dasselbe Jagdverhalten zeigte. „Mit dieser Falle erwischen die Wale drei bis vier Möwen am Tag“, erklärt Noonan, der dieses Verhalten vorher noch nie gesehen hatte.

Der Wal muss seinem Bruder die neue Jagdstrategie beigebracht haben. Denn da das Anlocken von Möwen eine so außergewöhnliche Taktik ist, sei es unwahrscheinlich, dass mehrere Tiere dieses Verhalten unabhängig voneinander entwickeln, erklärt Janet Mann von der Georgetown-Universität in Washington. Mann hat das kulturelle Lernen bei Meeressäugern zum ersten Mal bei frei lebenden Delfinen an der Westküste Australiens beobachtet. Die Delfine brachten ihren Kollegen bei, wie sie bei der Nahrungssuche am Meeresgrund ihre Nasen mit Schwämmen schützen können.

Auch Schimpansen bringen ihren Artgenossen bestimmte Verhaltensweisen bei. Der englische Forscher Andrew Whiten von der St. Andrews-Universität konnte inzwischen mit seinen Kollegen sogar zeigen, dass die Affen die gelernte Methode selbst dann weiter anwenden, wenn sie nicht sehr effektiv ist.

New Scientist (27. August, S. 8)

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ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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