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Wie ein Gehirn mit zwei Sprachen fertig wird

Ein Mensch kann problemlos mit zwei Sprachen gleichzeitig aufwachsen. Er kann sich in jeder dieser Sprachen so sicher bewegen, dass Außenstehenden nicht in den Sinn kommt, er habe noch eine zweite Muttersprache. Während man früher befürchtete, das Gehirn eines Kindes könnte durch Zweisprachigkeit überfordert werden, sieht man heute eher die Chancen. Doch immer noch ist rätselhaft: Wie schafft es das Gehirn in zwei Sprachen zu leben? Ein Forschungsteam der Universität Magdeburg ist dieser Frage mit neuen Untersuchungen ein Stück näher gerückt.

Ihre Erkenntnis ist, dass Zweisprachige die gerade nicht „angesagte“ Sprache offenbar so ausblenden können, dass die Wortbedeutungen dieser Sprache, sofern sie denn auftauchen, nicht verarbeitet werden. Ihre Studie haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Das Team um Thomas Münte hat ein Sprachexperiment mit zweisprachigen Versuchspersonen, die katalanisch und spanisch sprachen, durchgeführt. Während des Experimentes haben sie mit Hilfe des funktionellen Magnetresonanzbildgebungsverfahrens (fMRI) die Gehirnaktivität beobachtet. Den Probanden, die zwischen 18 und 30 Jahren alt waren, wurde an Computerbildschirmen jeweils eine Reihe von Wörtern präsentiert. Diese waren entweder katalanisch, spanisch, oder es handelte sich um Pseudowörter, die zu keiner Sprache gehören. Die Versuchspersonen sollte nun bei den spanischsprachigen Wörtern einen Knopf drücken. Ausschließlich spanisch sprechende Versuchspersonen bildete die Kontrollgruppe und hatte die gleiche Aufgabe.

Beide Versuchsgruppen – die zweisprachige und die einsprachige ? bewältigten diese Aufgabe ohne größere Schwierigkeiten. Allein wenn katalanische Wörter vorkamen, die im Sprachgebrauch sehr häufig sind, zeigten die Zweisprachigen eine leichte Verunsicherung.

Die Beobachtung der Gehirnaktivität ergab, dass bei den Zweisprachigen das so genannte posteriore inferiore Frontalareal deutlich aktiver war als bei den Einsprachigen. Vor allem bei den auftauchenden katalanischen Wörtern wurde diese Region stärker aktiviert. Sie ist wichtig für die phonologische Verarbeitung und der vor der tatsächlichen Aussprache auftretenden Probelautung.

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Beim Lesen, so nehmen Thomas Münte und seine Kollegen an, können prinzipiell zwei unterschiedliche Prozesse wirksam werden. Der eine Prozess ist die lexikalische oder Wortschatz-Route. Hierbei wird nach der Erfassung der Schriftform des Wortes gleich der Weg zum Wortschatz und damit zur Bedeutung beschritten. Ohne erst den Zwischenschritt der Lautung zu nehmen, wird hier also das Wort gelesen und sofort von seiner Bedeutung her erfasst. Bei der sublexikalischen oder auch Buchstabe-zu-Laut-Route hingegen wird der Buchstabe erst einmal in eine phonologische Form umgewandelt. Die Buchstabenfolge erhält eine, noch etwas unspezifische, Lautform, bevor sie Zugang zum Wortschatz bekommt. Bei den Zweisprachigen im Experiment, so vermuten die Magdeburger Wissenschaftler, wird vermutlich die Buchstabe-zu-Laut-Route eingeschlagen. Dadurch wird verhindert, dass das Katalanische – die in diesem Fall nicht-erwünschte Sprache – sich über die Bedeutung des Wortes die Vorrangstelle erobert.

Doris Marszk
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