Wie Folsäure Umweltschäden repariert - wissenschaft.de
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Wie Folsäure Umweltschäden repariert

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Gelbe Mäuse sind anfälliger für Fettsucht, Diabetes und Krebs als ihre braun gefleckten Geschwister. Bild: Duke University Medical Center
Nahrungsergänzungsmittel wie Folsäure können ungeborene Kinder vor schädlichen Umweltchemikalien schützen. Das schließen amerikanische Forscher aus Fütterungsversuchen mit trächtigen Mäusen. Die zum Beispiel in Lebensmittelverpackungen vorkommende Chemikalie Bisphenol A (BPA) führte bei den Mäuseembryonen zu Veränderungen in der Erbsubstanz. Das Vitamin Folsäure und der Pflanzeninhaltsstoff Genistein konnten diesen negativen Einflüssen entgegenwirken.

Bisphenol A ist ein Bestandteil von Polycarbonat-Kunststoffen, die in zahlreichen Verpackungen, darunter auch Babyfläschchen, vorkommen. Um zu testen, welchen Einfluss die Substanz auf ungeborene Kinder hat, fütterten die Forscher Mäuse mit BPA. Die Mengen waren so niedrig gewählt, dass sie keinen direkten schädlichen Effekt auf die Tiere hatten. Das BPA im Futter führte jedoch dazu, dass deutlich mehr Tiere mit gelbem Fell geboren wurden. Wie andere Studien mit Mäusen desselben Stamms zeigen, haben gelbe Tiere ein größeres Risiko für Diabetes, Fettsucht und Krebs.

Genau wie BPA kann auch Folsäure die Fellfarbe von Mäusen beeinflussen. Das zeigen frühere Studien des Forscherteams. In einer weiteren Versuchsreihe gaben die Forscher nun sowohl BPA als auch Folsäure ins Futter. Das Ergebnis: Das Vitamin konnte den Einflüssen des BPA entgegenwirken, so dass die Mäuse weder zu viele gelbe noch zu viele braune Tiere zur Welt brachten. Einen ähnlichen Effekt hatte Genistein, ein Inhaltsstoff der Sojabohne.

Obwohl die gelben Mäuse anders aussehen als ihre braun gefleckten Geschwister, weisen sie keine Unterschiede in der Abfolge ihrer DNA-Bausteine auf. Vielmehr sitzen am DNA-Strang der braun gefleckten Mäuse deutlich mehr so genannte Methylgruppen. Diese chemischen Schaltermoleküle blockieren ein für die gelbe Fellfarbe zuständiges Gen und beeinflussen so das Aussehen der Mäusekinder ? eine Form der Vererbung, die Epigenetik genannt wird. BPA verringert dabei die Anzahl der chemischen Schalter und Folsäure erhöht sie wieder, was sich im entgegengesetzten Einfluss der beiden Substanzen auf die Fellfarbe widerspiegelt.

Die Ergebnisse der Tierexperimente lassen sich aber nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen. So können die Forscher noch nicht sagen, welche Mengen an BPA bei menschlichen Embryonen zu epigenetischen Veränderung führen. Gleiches gilt für die optimale Dosis an Folsäure oder Genistein. Randy Jirtle, einer der Forscher, warnt, dass zu hohe Mengen Genistein auch schädlich sein könnten.

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Dana Dolinoy (Duke-Universität in Durham) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073_pnas.0703739104 ddp/wissenschaft.de ? Larissa Kessner
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