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Wie Gas Krebstumoren aushungern kann

Amerikanische Forscher wollen Gasblasen dazu benutzen, Tumorzellen auszuhungern. Die Blasen sollen dabei exakt so platziert werden, dass sie die zum Tumor hinführenden Blutgefäße blockieren und ihn so von der Nähr- und Sauerstoffversorgung abschneiden. Im Gegensatz zu festen oder gelförmigen Gefäßblockaden, die bereits zur Krebstherapie eingesetzt werden, könnten die gasförmigen Pfropfen exakter gesteuert werden und erforderten keine aufwändigen Eingriffe, erklären die Wissenschaftler. In der Klinik eingesetzt werden kann die Technik allerdings noch nicht: Momentan untersuchen Joseph Bull und sein Kollege Brian Fowlkes noch die Grundlagen des Gastransports und der Freisetzung der Blasen.

Bei der so genannten Embolotherapie oder Embolisation wird über einen Katheter in eines der zentralen Gefäße, die den Tumor versorgen, eine Art Korken eingeführt, um das Gefäß zu verschließen. Dabei muss der Weg des Katheters die ganze Zeit genauestens überwacht werden, beispielsweise mithilfe eines Kontrastmittels und eines Computertomographen. Durchgeführt werden kann dieser Eingriff jedoch nur, wenn der Tumor so liegt, dass durch den Verschluss eines Versorgungsgefäßes nicht zu viel gesundes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch muss das Gefäß groß genug sein, um den Katheter aufnehmen zu können. Momentan wird diese Therapie hauptsächlich bei bestimmten Formen von Nieren- und Leberkrebs eingesetzt, die nicht oder nur sehr schwer operierbar sind.

Für das neue Verfahren wird der Katheter nicht mehr notwendig sein, erklärt Bull. Es soll in drei Stufen ablaufen: Zuerst werden kleine Tropfen einer organischen Flüssigkeit unter Druck erhitzt und sofort in Kapseln eingeschlossen, so dass sie trotz ihrer hohen Temperatur nicht gasförmig werden. Diese verkapselten Tröpfchen sind so klein, dass sie selbst in kleinen Blutgefäßen nicht steckenbleiben. Die Kapseln werden dem Patienten in einem zweiten Schritt in den Blutkreislauf injiziert und ihre Verteilung mithilfe eines herkömmlichen Ultraschallgeräts sichtbar gemacht. Haben die Tropfen ihren Bestimmungsort erreicht, werden sie im letzten Schritt schließlich mit gezielten intensiven Ultraschallpulsen beschossen. Die Pulse wirken laut Bull wie ein Nadelstich in einen Ballon: Sie zerstören die Kapsel um die überhitzte Flüssigkeit, die daraufhin schlagartig gasförmig wird und sich dabei um mehr als das 100fache ausdehnt.

„Würde die Blase kugelförmig bleiben, wäre sie viel zu groß für die meisten Gefäße“, erklärt Bull. „Daher verformt sie sich und bildet eine wurstförmige Blase, die das Gefäß verstopft wie ein Korken“. Voraussetzung sei allerdings, dass das Blutgefäß ausreichend elastisch sei, denn sonst könnte es bei dem Ausdehnungsvorgang geschädigt werden.

Mitteilung der Universität von Michigan, Ann Arbor ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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