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Wie Gene das Gleichgewicht von Angst und Vertrauen prägen

Eine Veränderung bereits weniger Gene kann sich drastisch auf das Sozialverhalten eines Menschen auswirken. Das haben amerikanische Forscher bei der Untersuchung einer seltenen Erbkrankheit entdeckt. Patienten mit dem so genannten Williams-Beuren-Syndrom, denen einige Gene auf Chromosom 7 fehlen, haben häufig sehr viel Zutrauen zu anderen Menschen ? selbst in Situationen, in denen sich ein Gesunder bedroht fühlen würde. Ursache dieses charakteristischen Verhaltens ist offenbar eine fehlende Verbindung zwischen zwei Gehirnregionen, die für das Einschätzen von Gefühlen bei anderen Menschen zuständig sind, berichten die Forscher vom National Institute of Mental Health in Bethesda.

Bei Menschen mit dem Williams-Beuren-Syndrom (WBS) ist die Balance zwischen Vertrauen und Angst gestört: Während sie einerseits anderen Menschen gegenüber völlig furchtlos und sehr aufgeschlossen sind, lösen andererseits normale Alltagsgegenstände häufig schwere Angstzustände und Phobien aus. Bereits seit mehreren Jahren machen Wissenschaftler für dieses Ungleichgewicht die so genannte Amygdala verantwortlich, eine Gehirnregion, die vor allem für die Verarbeitung negativer Gefühle zuständig ist.

Um die Rolle der Amygdala genauer zu untersuchen, zeigten die Wissenschaftler 13 WBS-Patienten und 13 gesunden Freiwilligen Bilder von verärgerten und ängstlichen Gesichtern. Solche Gesichtsausdrücke gehören zu den wichtigsten Gefahrensignalen und lösen normalerweise eine starke Amygdala-Aktivität aus. Als die Forscher jedoch die Gehirnaktivität der Probanden mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie bestimmten, fanden sie bei den WBS-Patienten eine deutlich reduzierte Amygdala-Aktivität. Sahen sich die Probanden statt der Gesichter jedoch Bilder von brennenden Gebäuden und Flugzeugabstürzen an, reagierte die Amygdala der WBS-Patienten sehr viel stärker als die der Kontrollprobanden.

Die Ursache für diese Veränderung war jedoch nicht eine Fehlfunktion der Amygdala selbst, sondern eine Störung des Netzwerks, das dieses Hirnareal kontrolliert, zeigten weitere Untersuchungen: Den WBS-Patienten fehlt die Verbindung zwischen der Amygdala und dem so genannten orbitofrontalen Cortex, der für die Zuordnung von Gefühlen zu emotionalen Situationen zuständig ist. Um diesen Mangel zu kompensieren, ist gleichzeitig der für Empathie zuständige mediale Cortex überaktiv. Diese Gehirnveränderungen spiegeln demnach genau das Verhaltensmuster der Patienten wider und zeigen, wie das Sozialverhalten durch die Abwesenheit bestimmter Gene geprägt wird, schreiben die Forscher.

Andreas Meyer-Lindenberg (National Institute of Mental Health, Bethesda) et al.: Nature Neuroscience, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nn1494

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