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Umwelt+Natur

Wie Giraffen vom Leben in der Gruppe profitieren

Giraffen
Giraffen in Tansania. (Bild: Sonja Metzger)

Gemeinsam sind sie stark: Ähnlich wie bei uns Menschen erhöht das Leben in der Gruppe auch bei Giraffenweibchen die Überlebenschancen. Das bestätigt nun eine Studie mit wildlebenden Giraffen in Tansania. Demnach leben die Giraffenweibchen länger, die sich mit Artgenossinnen zusammentun und gemeinsam Nahrung suchen und ihre Jungen aufziehen. Die Vorteile des Gruppenlebens wirken sich sogar stärker auf das Überleben der Tiere aus als ihr Lebensraum oder die Nähe zu menschlichen Siedlungen.

Nicht nur der Mensch gilt als soziales Wesen – auch Primaten wie Schimpansen und Gorillas leben in größeren Gruppen und führen soziale Bindungen. Ebenso bilden unter anderem auch Meerestiere wie Delfine, Wale und Haie komplexe Sozialstrukturen und arbeiten zusammen. Und sogar Vögel wie die diebischen Elstern unterstützen ihre Artgenossen. Grund dafür ist, dass die Individuen in der Gemeinschaft häufig eine größere Überlebenschance haben.

Wie sieht es bei Giraffen aus?

Ob auch Giraffenweibchen von ihrem Sozialverhalten und dem Leben in Gruppen profitieren, haben Forscher um Monica Bond von der Universität Zürich (UZH) in einer Langzeitstudie untersucht. Sie wollten dabei auch ergründen, ob sich das soziale Verhalten stärker auf die Überlebenschancen der Giraffen auswirkt als die natürliche Umgebung und der Mensch als möglicher Störfaktor. Dafür dokumentierte das Team fünf Jahre lang das Sozialverhalten von mehr als 500 wildlebenden Massai-Giraffenweibchen (Giraffa camelopardalis tippelskirchi) in Tansania, die in mehreren sozialen Gemeinschaften mit jeweils etwa 60 bis 90 erwachsenen Weibchen zusammenlebten. Mit Hilfe von Algorithmen zur Analyse der Tiergruppen prüften die Forschenden die individuellen und gemeinschaftliche Einflüsse auf das Überleben der Tiere.

Es zeigte sich: Tatsächlich überlebten Giraffen in größeren Gruppen von etwa 50 Tieren länger als sozial isolierte Weibchen. Die Forscher konnten beobachten, dass sich die Giraffen im Verlauf eines Tages immer wieder zu anderen Gruppen zusammenschlossen. Dabei hielten sie allerdings spezifische Freundschaften über längere Zeit aufrecht. „Das Zusammenleben mit einer größeren Anzahl Weibchen geht einher mit einer erhöhten Überlebensrate von weiblichen Giraffen, selbst wenn sie ihre Gruppen häufig wechseln“, erklärt Bond. „Dabei ist diese Geselligkeit der Tiere wichtiger als Umweltfaktoren wie die Vegetation oder die Nähe zu menschlichen Siedlungen“, ergänzt die Forscherin. Zwar hatten Giraffenweibchen, die in Stadtnähe lebten, scheinbar durch die Wilderei eine etwas geringere Überlebensrate. Dennoch waren die Hauptursachen für die Sterblichkeit der Tiere sozial beeinflusste Faktoren wie Krankheiten, Stress oder Unterernährung.

Für Nahrungssuche, Schutz und Kooperation

Aber wie genau mindert der Sozialkontakt diese Überlebensrisikos? „Soziale Beziehungen können die Effizienz der Nahrungssuche verbessern“, erklärt Bonds Kollegin Barbara König. Dafür schließen sich Giraffenweibchen vermutlich mit einer möglichst optimalen Anzahl von mindestens drei anderen Weibchen zusammen, um untereinander Informationen über die besten Futterquellen auszutauschen. Zudem hilft der Zusammenschluss mit anderen Weibchen, die Konkurrenz mit Artgenossen, drohende Gefahr durch Raubtiere, Krankheitsrisiken und psychosozialen Stress zu bewältigen, so König weiter. Andere Vorteile des Gruppenlebens können sein, dass die Weibchen weniger durch paarungsbereite Männchen belästigt werden, dass sie ihre Jungen gemeinsam betreuen und beschützen, oder dass schon die Anwesenheit vertrauter Weibchen Stress vermindert.

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Dabei gilt: Je mehr Bindungen sie zu anderen Weibchen haben, desto weniger Stress und Konkurrenzkampf empfinden sie und desto höher sind ihre Überlebenschancen. „Giraffenweibchen scheinen einen Vorteil davon zu haben, sich mit mehreren anderen Weibchen zu vernetzen und entwickeln somit ein Gespür für eine größere Gemeinschaft, nicht aber für eine einzelne Kleingruppe“, resümiert Bond. Ähnliche soziale Gewohnheiten kommen auch bei verschiedenen Affenspezies wie Rhesusaffen (Macaca mulatta) und Diademmeerkatzen (Cercopithecus
mitis stuhlmanni) vor.

Quelle: University of Zurich, Fachartikel: Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, doi: 10.1098/rspb.2020.2770

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