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Umwelt+Natur

Wie großzügig sind Rabenvögel?

RAbe
Raben gelten als eher egoistisch. (Bild: Lisa Horn)

Spendable Rabenvögel: Das Sozialleben von Vögeln der Vogelfamilie Corvidae entscheidet über ihre Großzügigkeit, wie eine neue Studie belegt. Demnach führen auch bei Raben, Krähen, Elstern und Co. eine gemeinschaftliche Jungenaufzucht und eine geringe Aggression gegenüber nahe herankommenden Artgenossen zu großzügigem Verhalten – ähnlich wie bei Primaten. Dabei werden laut der Forscher Parallelen zur menschlichen Evolution sichtbar.

Raben und ihre Verwandten gehören mit zu den intelligentesten Tieren der Welt: Sie können zählen, Werkzeuge nutzen, Denkaufgaben lösen und sogar vorausschauend planen. Dabei sind sie erstaunlich flexibel und lernfähig. Noch ausgeprägter aber ist ihre soziale Intelligenz. Denn die in komplexen, sich ständig verändernden Verbänden lebenden Vögel wissen sehr genau, wer welchen sozialen Rang bekleidet und mit wem sich eine Teamarbeit lohnt.

Nur von Egoismus geprägt?

Insbesondere die auch bei uns heimischen Raben sind zudem für ihr eher egoistisches Verhalten bekannt. Aber handeln alle Rabenvögel nur zu ihrem eigenen Vorteil? Ein internationales Forschungsteam um Lisa Horn von der Universität Wien ist dieser Frage nun näher auf den Grund gegangen. Dafür untersuchten sie eine Reihe verschiedener Rabenvogelarten auf ihre Großzügigkeit. Vorherige Studien hatten bislang hauptsächlich beim Menschen, bei Primaten und nur sehr wenigen Vogelarten großzügiges Verhalten experimentell nachgewiesen. In der menschlichen Evolution soll Großzügigkeit als Folge einer gemeinsamen Aufzucht des Nachwuchses in der Gruppe und einem geringen Aggressionspotenzial entstanden sein, so die gängige Annahme.

Die Forscher verglichen in ihrem Experiment das prosoziale Verhalten von insgesamt acht Vogelarten der Vogelfamilie Corvidae – der Rabenvögel. Manche dieser Arten ziehen ihren Nachwuchs gemeinschaftlich auf, während andere das nicht tun. Ebenso nisten manche der getesteten Arten auf engem Raum mit ihren Artgenossen, während andere ihre Territorien argwöhnisch gegen Artgenossen verteidigen. In dem Versuch konnten die Vögel durch das Landen auf einer Sitzstange einen Wippenmechanismus auslösen, der Futter in Reichweite ihrer Gruppenmitglieder brachte. Sie selbst konnte das Futter dabei aber nie erreichen. Jene Tiere, die über alle Versuchsrunden hinweg Futter für die anderen Gruppenmitglieder lieferten, bezeichneten die Forscher als großzügig.

Je näher das Zusammenleben, desto großzügiger

Die Versuche ergaben: Das Sozialleben der Rabenvögel ist dafür ausschlaggebend, ob die Tiere ihren Artgenossen etwas zukommen lassen oder nicht. Es zeigte sich, dass vor allem jene Rabenvogelarten zugunsten anderer auf eigenes Futter verzichteten, die ihre Jungen gemeinschaftlich aufziehen. Ein Beispiel dafür sind Elstern. Bei den männlichen Tieren fiel den Wissenschaftlern außerdem auf, dass ihr großzügiges Verhalten vom engen Zusammenleben mit ihren Artgenossen abhängig ist: Die Männchen jener Arten, die konfliktlos auf engem Raum mit anderen Tieren nisten, zeigten sich gegenüber den Gruppenmitgliedern besonders großzügig. Diese Ergebnisse bestätigen, dass die gemeinschaftliche Jungenaufzucht und ein geringes Aggressionspotenzial das Auftreten von großzügigen Tendenzen nicht nur beim Menschen und seinen Vorfahren, sondern auch bei anderen Tierarten fördern.

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„Spontane Großzügigkeit, ohne dafür immer gleich eine Gegenleistung zu erwarten, ist ein Eckpfeiler der menschlichen Gesellschaft“, erklärt Horn. „Mich fasziniert besonders, dass auch bei Tieren, die sich so sehr von uns Menschen unterscheiden, anscheinend ganz ähnliche evolutionäre Mechanismen zur Entstehung von großzügigem Verhalten beigetragen haben, wie bei unseren menschlichen Vorfahren.“. Damit zeigt sich dem Forscherteam zufolge möglicherweise sogar eine Parallele zur menschlichen Evolution. Zur weiteren Untersuchung dieser Zusammenhänge braucht es in Zukunft allerdings noch weitere Versuche mit anderen Vögeln, etwa den ebenfalls sehr intelligenten Papageien, oder ganz anderen Tierarten, so die Wissenschaftler.

Quelle: Universität Wien, Fachartikel: eLife, doi: 10.7554/eLife.58139

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