Wie Hypnose die Hirnfunktionen verändert - wissenschaft.de
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Wie Hypnose die Hirnfunktionen verändert

Hypnose kann die Informationsverarbeitung im Gehirn so stark verändern, dass typische Wahrnehmungskonflikte nicht mehr auftreten. Das haben amerikanische Wissenschaftler um Amir Raz mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie bei 16 Freiwilligen gezeigt. Der Effekt, der ausschließlich bei hypnoseempfindlichen Menschen auftrat, veränderte dabei deutlich die Gehirnaktivität der Probanden.

Lesen gilt gemeinhin als ein automatischer Prozess, bei welchem geschickte Leser die Bedeutung eines Wortes nicht übersehen können. Dabei entstehen jedoch manchmal Konflikte mit anderen Formen der Wahrnehmung. Ist beispielsweise das Wort „Rot“ in Grün geschrieben, brauchen Versuchspersonen mehr Zeit für die Benennung der Tintenfarbe, als wenn Farbe und die Bedeutung des Wortes übereinstimmen. Dieses Phänomen wird als der so genannte Stroop-Konflikt bezeichnet. Kontrolliert werden diese Fähigkeiten im so genannten vorderen cingulären Cortex. Diese Hirnregion gehört zum Limbischen System, das für die Verarbeitung von Emotionen und die Entstehung des Triebverhaltens verantwortlich ist.

Die Forscher um Raz konnten nun nachweisen, dass sich dieser Stroop-Konflikt mit einer posthypnotischen Suggestion beeinflussen lässt. Dazu zeigten die Wissenschaftler nach einer Standard- Hypnose acht gut hypnotisierbaren und ebenso vielen schlechter hypnotisierbaren Freiwilligen auf einem Bildschirm verschiedene Wörter in den Farben Rot, Blau, Grün oder Gelb. Die Probanden sollten sich jedoch nicht auf die Bedeutung der Wörter, sondern nur auf die Schriftfarbe konzentrieren, und je nach Farbe jeweils eine gleichfarbige Taste drücken. Während dieses Experiments maßen die Forscher mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRI) die Hirnaktivitäten.

Nur die gut hypnotisierbaren Probanden reagierten auf die Suggestion nach der Hypnose, stellten die Forscher fest. Der Stroop-Effekt war bei diesen acht Versuchspersonen nicht mehr nachweisbar: Sie reagierten schneller und konnten die Schriftfarben häufiger richtig benennen als die weniger gut Hypnotisierbaren. Zudem wiesen die Wissenschaftler sowohl im cingulären Cortex als auch in den visuellen Gebieten des Hirns eine reduzierte Aktivität auf, ergaben die MRI-Messungen.

Die Ergebnisse könnten nach Ansicht der Forscher zum Verständnis der Vorgänge im Gehirn bei allen Prozessen beitragen, die auf Suggestion beruhen. Dazu zählen die Wissenschaftler nicht nur Hypnose, sondern beispielsweise auch die Wirkung von Placebo-Medikamenten.

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Amir Raz et al. (Columbia-Universität, New York): PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1073/pnas.0503064102

ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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