Wie Magnetfelder die Welt farbig machen - wissenschaft.de
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Wie Magnetfelder die Welt farbig machen

Eine Behandlung mit Magnetfeldern lässt Menschen mit Halbseitenblindheit wieder Farben sehen, haben britische Forscher gezeigt. Bei dieser Form der Blindheit sind nicht die Augen, sondern eines der Sehzentren im Gehirn geschädigt, so dass die Betroffenen ihre Umwelt auf einer Seite nicht bewusst wahrnehmen können. Wird nun die beeinträchtigte Seite mit der sogenannten transkraniellen Magnetstimulation (TMS) behandelt, bei der Magnetfelder von außen auf den Schädel einwirken, organisiert das Gehirn die Aufgabenverteilung um. Dabei übernehmen intakte Bereiche der gesunden Hirnseite die Funktion des geschädigten Sehzentrums, und der Patient kann Farben wieder bewusst wahrnehmen.

Die Wissenschaftler untersuchten einen Patienten, dessen sogenannter visueller Cortex, das Hauptsehzentrum, in der linken Hirnhälfte geschädigt war. Der Patient, den die Forscher als GY bezeichnen, kann wegen dieser Schädigung nichts bewusst wahrnehmen, was sich im rechten Gesichtsfeld befindet. Während des Experiments selbst sollte GY mit dem rechten Auge für eine Weile einen roten Bildschirm ansehen, so dass sich das Gehirn auf die Farbe einstellen konnte. In dieser Zeit ließ die Aktivität der Nervenzellen nach, die für die Wahrnehmung der Farbe Rot zuständig sind. In früheren Studien hatte sich gezeigt, dass solche Neuronen besonders gut auf die transkranielle Magnetstimulation ansprechen.

Als die Forscher anschließend den gesamten visuellen Cortex magnetisch anregten, konnte GY die Farbe bewusst wahrnehmen. Verantwortlich dafür sei die gesunde Hirnhälfte gewesen, die die Arbeit des geschädigten Sehzentrums zum Teil übernommen habe, erläutern die Forscher. Dies geschehe aber nicht automatisch, sondern werde künstlich durch die Magnetstimulation provoziert.

Im Gegensatz zum künstlich herbeigeführten bewussten Farbsehen funktioniert die unbewusste Wahrnehmung bei den meisten Patienten mit Halbseitenblindheit auch ohne äußeren Einfluss. So liegen sie etwa in den meisten Fällen richtig, wenn sie angeben sollen, welche Art von Bewegung vor ihrem beeinträchtigten Auge abläuft. Die hier gefundene Wirkung lässt sich auch umkehren: In früheren Experimenten hatten Forscher bei gesunden Personen Halbseitenblindheit hervorgerufen, indem sie das Sehzentrum mit Hilfe der TMS außer Kraft setzten. Auch wenn diese Probanden angaben, nichts zu sehen, konnten sie dennoch in den meisten Fällen gezeigte Farben erraten.

Juha Silvanto (Universität von Essex, Colchester) et al.: Current Biology, Bd. 18, S. R950 ddp/wissenschaft.de ? Sonja Römer
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