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Wie man der Sepsis das Wasser abdreht

Ob jemand eine Sepsis überlebt, hängt auch von seiner genetischen Veranlagung ab: Bei dieser auch als Blutvergiftung bezeichneten Erkrankung kann die Version einer bestimmten Erbanlage über Leben und Tod entscheiden. Das haben deutsche Forscher jetzt entdeckt. Hat ein Patient in seinem Erbgut demnach eine besonders aktive Variante eines Gens, das für den Wasserhaushalt der Zellen unverzichtbar ist, hat er ein höheres Sterberisiko. Das Gen trägt den Bauplan für ein sogenanntes Aquaporin, ein Eiweiß, dessen entscheidende Rolle bei einer Sepsis bislang unbekannt war. Offenbar ist es an der Bildung der lebensbedrohlichen Wassereinlagerungen im Rahmen der Immunreaktion bei der Sepsis beteiligt, vermuten die Forscher. Es könnte daher ein wichtiger Ansatzpunkt für die Entwicklung dringend benötigter neuer Medikamente sein.

Nach Schätzungen der Deutschen Sepsis-Gesellschaft erkranken in Deutschland jedes Jahr 150.000 Menschen an einer Sepsis, etwa die Hälfte der Betroffenen stirbt daran. Die Erkrankung beginnt meist mit einer eher harmlosen Infektion, die dann außer Kontrolle gerät. Häufig sind Bakterien die Verursacher, doch auch Viren, Pilze oder Parasiten können zu einer Sepsis führen. Im verzweifelten Versuch, die Erreger zu bekämpfen, löst das Immunsystem eine Entzündungsreaktion aus, die mit der Zeit auf den gesamten Organismus übergreift und schließlich zu Wassereinlagerungen im Gewebe führt. Diese können Organversagen und sogar den Tod nach sich ziehen. Dieser Zusammenhang lenkte die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler auf die mögliche Rolle der Aquaporine – denn es handelt sich um Proteine, die für den Wassertransport durch Zellmembranen zuständig sind.

Michael Adamzik von der Universität Duisburg-Essen und seine Kollegen führten für ihre Studie Genanalysen bei 154 Patienten durch, die eine schwere Sepsis erlitten hatten. Sie konnten zeigen, dass Menschen mit einer speziellen Variante eines Gens für Aquaporin eine 83 prozentige Überlebenswahrscheinlichkeit hatten. Patienten mit einer anderen Version des Gens besaßen dagegen nur eine Überlebenschance von 57 Prozent. Der Unterschied zwischen beiden Varianten liegt in der Aktivität des Gens, konnten die Forscher zeigen: Bei der günstigen Version wird weniger Aquaporin gebildet. „Das führt vermutlich dazu, dass das Gewebe bei einer Sepsis weniger dazu neigt, Wasser einzulagern“, erklärt Adamzik den vorteilhaften Effekt der Erbanlage.

Die Ergebnisse zeigen nicht nur die Bedeutung der Veranlagung beim Verlauf einer Sepsis, sie weisen auch gezielt auf die Bedeutung des Aquaporins in diesem Zusammenhang hin. „Diese Information liefert einen wichtigen Anhaltspunkt für die Entwicklung von Medikamenten“, sagt Adamzik. „Wenn es gelingt, die Bildung der Aquaporine oder ihre Aktivität zu unterdrücken, könnte das die Entwicklung der lebensbedrohlichen Wassereinlagerungen bremsen.“

Michael Adamzik (Universität Duisburg-Essen) et al: Anesthesiology, Bd. 114, Vol. 4, S. 912 dapd/wissenschaft.de – Martin Vieweg
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