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Wie Mann seine Fruchtbarkeit prüfen kann

US-Forscher haben ein körperliches Merkmal identifiziert, das direkt mit der Zeugungsfähigkeit eines Mannes zusammenzuhängen scheint: den Abstand zwischen dem hinteren Ansatz des Hodensacks und dem Anus. Bei unfruchtbaren Männern ist er nämlich kürzer als bei Männern, die Kinder zeugen können, konnten die Wissenschaftler in einer ? allerdings recht kleinen ? Studie zeigen. Seinen Ursprung hat der Zusammenhang vermutlich bereits im Mutterleib: Wenn während der Entwicklung des männlichen Fötus der Einfluss der Geschlechtshormone aus irgendeinem Grund gestört ist, kann das dazu führen, dass sich die männlichen Genitalien nicht korrekt ausbilden. Das könne dann sowohl einen verkürzten anogenitalen Abstand als auch eine beeinträchtigte Funktion der Hoden zur Folge haben, erläutern die Forscher um Michael Eisenberg vom Baylor College of Medicine in Houston. Sie räumen jedoch ein, dass die Korrelation noch in größeren Studien verifiziert werden müsse ? auch wenn man bei Tieren einen solchen Zusammenhang ebenfalls kenne.

Insgesamt 117 Männer, die wegen ihrer Unfruchtbarkeit in eine urologische Praxis gekommen waren, nahmen die Wissenschaftler ursprünglich in die Studie auf; zwölf von ihnen wurden jedoch nachträglich wieder ausgeschlossen, weil sie zuvor Operationen gehabt hatten, bei denen ihre Genitalien verändert worden waren. Als Kontrolle dienten 56 Männer, die bereits Kinder gezeugt hatten. Alle Studienteilnehmer gaben Spermaproben ab und erlaubten den Forschern, ihren anogenitalen Abstand zu vermessen.

Der unterschied sich signifikant zwischen den beiden Gruppen, zeigte die spätere Auswirkung: Bei den Vätern lagen Hodensack und Anus im Durchschnitt 44,6 Millimeter weit auseinander, bei den unfruchtbaren Männern waren es nur 31,8 Millimeter. Ein längerer Abstand ging zudem mit einer besseren Samenqualität einher, sowohl was die Anzahl als auch was die Beweglichkeit der Spermien betraf: Wenn die allgemeinen Körpermaße und andere potenziell verfälschende Faktoren mit berücksichtigt wurden, sei die Spermiendichte mit jedem Zentimeter mehr Abstand um 4,3 Millionen pro Milliliter gestiegen, errechneten die Forscher.

Man habe bereits in früheren Studien gesehen, dass Mütter, die während der Schwangerschaft mit Chemikalien wie etwa Phthalaten oder bestimmten Pestiziden in Kontakt gekommen waren, Söhne mit einem verkürzten Anogenitalabstand zur Welt brachten. Diese Substanzen gelten als sogenannte endokrine Disruptoren, also als Stoffe, die wie Hormone wirken können und dadurch in der Lage sind, das Hormongleichgewicht im Körper zu stören. Zudem gab es Hinweise aus Tierversuchen, dass eine derartig zustande gekommene Verkürzung mit einer beeinträchtigten Fruchtbarkeit einherging. Die neue Studie zeige den Zusammenhang zwischen kurzem Abstand und eingeschränkter Zeugungsfähigkeit nun auch beim Menschen, resümieren die Forscher. Sie halten die Ergebnisse daher trotz der extrem kleinen Probandengruppe und der wenig repräsentativen Stichprobe für plausibel. Mit dem anogenitalen Abstand habe man nun möglicherweise eine leicht messbare anatomische Größe gefunden, mit der sich die Zeugungsfähigkeit eines Mannes zumindest grob vorhersagen lasse.

Michael Eisenberg (Baylor College of Medicine, Houston) et al.: PLoS one, Bd. 6, Nr. 5, Artikel e18973 wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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