Wie Menschen Dinge aus dem Augenwinkel sehen - wissenschaft.de
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Gesellschaft+Psychologie Umwelt+Natur

Wie Menschen Dinge aus dem Augenwinkel sehen

Wer intensiv etwas Rotes betrachtet, nimmt auch leichter andere rote Gegenstände am Rand seines Gesichtsfeldes wahr. Dieses unbewusste Sehen aus dem Augenwinkel umfasst dabei jedoch nicht nur auf die Farbe, sondern auch andere Merkmale des roten Objekts wie beispielsweise seine Bewegung. Das hat ein internationales Forscherteam mithilfe mehrerer Wahrnehmungstests nachgewiesen. Der Sehsinn erfasst demnach sowohl beim bewussten als auch beim unbewussten Wahrnehmen Eigenschaften wie Farbe und Bewegung nicht getrennt voneinander, sondern parallel.

Lange Zeit konzentrierten sich Psychologen bei der Erforschung von Wahrnehmungsmechanismen lediglich auf die bewusste oder explizite Wahrnehmung. Vor kurzem wurde jedoch gezeigt, dass jeder bewusste Sinneseindruck von einem unbewussten begleitet wird, der allerdings nicht kontrolliert oder gesteuert werden kann. Unklar war dabei bislang, ob nur die Merkmale eines Objektes unbewusst wahrgenommen werden, auf die der Beobachter auch bewusst seine Aufmerksamkeit richtet, oder ob sie sich dieser Effekt auch auf andere Eigenschaften erstreckt.

Um das zu testen, entwarfen die Forscher um David Melcher verschiedene Aufmerksamkeitstests, bei denen sich die Probanden auf rote und grüne Punkte konzentrieren sollten, die sich auf unterschiedliche Arten bewegten. Das Ergebnis: Auch wenn sich die Teilnehmer nur auf die Farbe der Punkte konzentrierten, nahmen sie aus dem Augenwinkel trotzdem deren Bewegung war ? vorausgesetzt, die Farbe der sich bewegenden Punkte entsprach der, auf die sie ihre Aufmerksamkeit gerichtet hatten.

Offenbar gibt es bestimmte Gruppen von Eigenschaften, die nur gekoppelt wahrgenommen werden, schließen die Forscher aus diesen Ergebnissen. Die Art dieser Kopplung hängt dabei davon ab, ob sich das betrachtete Objekt im Fokus der Aufmerksamkeit befindet oder nicht: Beim bewussten Betrachten werden alle Eigenschaften registriert, die sich direkt auf das Objekt beziehen. Unbewusst wahrgenommen werden dagegen nicht Objekte, die dem betrachteten ähneln, sondern vom Objekt unabhängige Merkmale wie die Farbe und alle damit gekoppelten Eigenschaften wie beispielsweise die Bewegung.

In weiteren Studien wollen die Forscher nun testen, wie diese Kopplung bei der unbewussten Wahrnehmung im Gehirn entsteht. Dabei sei es denkbar, dass Nervenbahnen mit einer Doppelfunktion Farbe und Bewegung gleichzeitig registrieren, oder aber dass die Reaktion verschiedener Nervenbahnen synchronisiert werden muss, schreiben sie.

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David Melcher ( Universität Oxford) et al.: Neuron, Bd. 46, S. 723

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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