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Wie Musik die Augen öffnet

Die eigene Lieblingsmusik kann Schlaganfallpatienten sozusagen die Augen öffnen. Das haben britische Forscher jetzt am Beispiel von drei Betroffenen gezeigt, die unter einem Gesichtsfeldausfall litten. Bei dieser Erkrankung ist das Sehzentrum im Hirn geschädigt, so dass visuelle Eindrücke nicht mehr richtig verarbeitet werden können. Die Folge: Die Patienten nehmen einen bestimmten Teil ihres Sehbereiches nicht mehr wahr ? obwohl ihre Augen vollkommen gesund sind. Sobald sie jedoch Musik hören, die sie mögen, verbessert sich die Wahrnehmungsfähigkeit im betroffenen Bereich, konnten David Soto vom Imperial College London und sein Team nun nachweisen. Dabei waren die Hirnregionen aktiv, die für positive Emotionen zuständig sind. Demnach hat ein gesteigertes Wohlbefinden auch eine Wahrnehmungsverbesserung zur Folge, schreiben die Forscher.

Soto und sein Team zeigten drei Betroffenen auf einem Computerbildschirm bunte geometrische Formen, zum Beispiel ein blaues Quadrat oder zwei grüne Dreiecke. Die Teilnehmer sollten versuchen, die Muster zu erkennen. Diese befanden sich jedoch auf der Bildschirmseite, die die Patienten aufgrund ihrer Behinderung nicht bewusst wahrnehmen konnten. Der Test wurde mit und ohne Musikuntermalung durchgeführt, wobei die Patienten die Musik in manchen Fällen mochten und in anderen Fällen nicht. Lief die persönliche Lieblingsmusik, erkannten die Freiwilligen deutlich mehr Muster als in den anderen Fällen, zeigte die Auswertung.

Zusätzlich machten die Forscher während der Tests die Hirnaktivität der Testteilnehmer mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen sichtbar. Hörten die Patienten ihre Lieblingsmusik, waren vor allem die Hirnregionen aktiv, die auf positive Gefühle reagieren. Diese Stimulierung scheint die Weiterleitung aller Sinneseindrücke zu verbessern, darunter auch die der visuellen Wahrnehmung.

„Wir wollten sehen, ob Musik die visuelle Wahrnehmung dieser Patienten verbessern würde, indem sie ihre Gefühlslage beeinflusst. Die Ergebnisse sind vielversprechend, trotzdem möchten wir eine größere Gruppe mit Gesichtsfeldausfall oder anderen neuropsychologischen Beeinträchtigungen untersuchen“, erklärte David Soto. Seiner Ansicht nach sollte in Zukunft bei der Behandlung von neuropsychologischen Erkrankungen der Gemütszustand der Patienten verstärkt miteinbezogen werden.

David Soto (Imperial College, London) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1073/pnas.0811681106 ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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