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Umwelt+Natur

Wie natürlich sind die deutschen Lande?

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Der IÖR-Monitor visualisiert die Indikatoren für die Natürlichkeit von Landschaften (weitere Erläute. Bearbeitung: IÖR/Christian Stein+Ulrich Walz, 2013
Natur pur? Das gibt es in Deutschland kaum noch. Die Landschaften tragen unterschiedlich stark den Stempel des Menschen: Von der Betonwüste bis zum Naturschutzgebiet. Forscher des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung in Dresden (IÖR) haben nun ein Verfahren entwickelt, um den Kultivierungsgrad von Landschaften besser einzuschätzen. So zeigt sich wie natürlich die Landschaften Deutschlands tatsächlich sind.

Im Extremfall bezeichnet man Flächen als „versiegelt“: Siedlungsgebiete und Verkehrsflächen bilden das Gegenteil von Natur. Bisher machen bundesweite Indikatoren-Systeme die Entwicklung der Flächennutzung in Deutschland daran fest, wie sich Siedlungs- und Verkehrsflächen verändern. Doch auch auf anderen Flächen hinterlässt der Mensch seine Spuren und macht sie mehr oder weniger natürlich. Deshalb blieb bisher unklar, wie sich die Qualität der Landschaft tatsächlich wandelt – wie natürlich genutzte und auch nicht genutzte Flächen überhaupt sind. Die Forscher des IÖR haben nun zwei Indikatoren entwickelt, die verfeinerte Aussagen zum Kultivierungsgrad von Landschaften ermöglichen.

Grundsätzlich nutzen sie dabei das Maß der sogenannten Hemerobie. Es bestimmt den gesamten Einfluss des Menschen auf natürliche Ökosysteme. Dabei ist eben nicht allein der Grad der Versiegelung von Flächen durch menschliche Konstruktionen ausschlaggebend. Es kommt auch darauf an, wie intensiv Flächen genutzt werden und wie stark der Bewuchs von der heimischen Vegetation abweicht. Um diese Faktoren zu berücksichtigen kombinierten die Forscher aktuelle Geobasisdaten mit Informationen über die potenzielle natürliche Vegetation der unterschiedlichen Regionen.

Wald und Flur ist nicht gleich Natur

„Es handelt sich dabei um die Vegetation, die vorherrschend wäre, wenn der Mensch nicht in die Natur eingreifen würde“, erläutert Projektleiter Ulrich Walz. „Ein Fichtenwald in den Hochlagen eines Mittelgebirges entspricht oft der natürlichen Vegetation, ein Nadelwald im Tiefland hingegen ist unter Umständen standortfremd und wird entsprechend als stärker kulturbeeinflusst eingestuft.“

Wie stark der gesamte Einfluss des Menschen auf eine Fläche ist, bemessen die Forscher auf einer Skala von 1 bis 7. „Je höher der Wert, desto größer ist der Eingriff des Menschen in die Landschaft. Der Wert 7 steht für eine vollständig versiegelte, also überbaute Fläche, der Wert 1 für ein vom Menschen gänzlich unbeeinflusstes Gebiet“, erklärt Walz. Der zweite Indikator, den die Dresdener Forscher entwickelt und erfasst haben, gibt Auskunft über den Anteil naturbetonter Flächen an einem Gebiet. Naturbetont ist eine Fläche dann, wenn der Mensch nicht oder nur selten eingreift.

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Die beiden Indikatoren können in Zukunft wertvolle Dienste leisten, indem sie etwa aufzeigen, ob der steigende Flächenbedarf vorrangig zu Lasten naturnaher oder sowieso bereits intensiv genutzter Flächen geht. Außerdem können sie deutlich machen, wo Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftszustandes besonders nötig sind und auch, wo bereits positive Entwicklungen zu verzeichnen sind. Solchen Entwicklungen kommt  eine große Bedeutung für das Wohlbefinden des Menschen zu, betonen die Forscher: Wir benötigen zur Erholung unberührte oder wenig beeinflusste Natur.

Für den Stand des Jahres 2010 haben die Forscher eine Deutschlandkarte entwickelt, in der sich die Werte der Indikatoren für die einzelnen Regionen widerspiegeln. Sie steht der Öffentlichkeit neben den entsprechenden Tabellen auf den Internetseiten des IÖR frei zur Verfügung. Neue Berechnungen sind nun geplant. Die Differenzen können dann die Entwicklung des Kultureinflusses für jede Gemeinde, jeden Kreis oder jedes Bundesland aufzeigen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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