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Wie Nervenzellen wieder zusammenfinden

Auch 15 Monate nach einer Verletzung des Rückenmarks können die durchtrennten Nervenverbindungen zum Wachstum angeregt werden. Voraussetzung dafür ist allerdings eine Kombination drei verschiedener Behandlungsansätze, haben Forscher jetzt an Ratten mit Verletzungen im Nackenbereich gezeigt. Nur durch diese Kombination lassen sich nämlich die verletzten Nervenzellen dazu bringen, ihr Regenerationsprogramm wieder anzuschalten, während ihnen gleichzeitig eine Art Gerüst und ein Wachstumsfaktor dabei helfen, in die richtige Richtung zu wachsen. Fehlt auch nur einer dieser Faktoren, findet keine Regeneration statt, schreiben die Wissenschaftler.

Bei einer Verletzung des Rückenmarks werden die Verbindungen zwischen den Nervensträngen durchtrennt, die meist auch spontan nicht mehr zusammenwachsen. Verantwortlich dafür sind nach aktuellem Kenntnisstand verschiedene Faktoren. So bleiben unter anderem die Gene in den geschädigten Nervenzellen, die eine Regeneration vorantreiben könnten, in einem Ruhezustand. Parallel arbeiten gleiche mehrere Effekte der Vereinigung von außen entgegen: Es bilden sich Narben, das umliegende Gewebe produziert Hemmstoffe und es fehlt eine Verbindung, die das verletzte Gebiet überbrückt und an der sich die wachsenden Nerven entlang bewegen könnten. Je länger ein solcher Zustand andauert, desto schwieriger wird es, diese Hindernisse zu überwinden ? nicht zuletzt auch deswegen, weil sich die verletzten Nervenfasern mit der Zeit zurückbilden. Aus diesem Grund galt bislang die These, dass eine Behandlung einer Rückenmarksverletzung, wenn überhaupt, nur kurz nach dem Unfall erfolgsversprechend ist.

Die neuen Ergebnisse weisen jedoch in eine andere Richtung. Mark Tuszynski und sein Team hatten in ihrer Studie mehrere Ansätze miteinander kombiniert, um möglichst viele störende Faktoren gleichzeitig auszuschalten. So injizierten sie Knochenmarkszellen in die verletzte Region, die dort ein Gerüst bildeten, an dem die Nervenfasern entlang wachsen konnten. Gleichzeitig sorgten sie dafür, dass die verletzten Nervenzellen die Aktivität bestimmter Gene hochfuhren, die für die Regeneration unverzichtbar sind. Als letztes ließen die Forscher von Zellen in der Nähe der Verletzung einen Wachstumsfaktor produzieren, der ebenfalls das Wachstum der Nerven ankurbelte und steuerte.

Auf diese Weise gelang es den Forschern, auch noch mehr als ein Jahr nach der Verletzung die Neubildung der Nervenverbindungen zu stimulieren ? ein Erfolg, der von vielen Wissenschaftlern nicht für möglich gehalten worden war. Ob daraus jedoch jemals eine Therapie für Querschnittsgelähmte werden kann und wenn ja, wie lange diese Entwicklung dauert, ist bislang noch völlig unklar. Doch auch Teilerfolge, bei denen die Nerven nur ein Stück der verletzten Stelle überwinden könnten, seien für die Betroffenen bereits ein großer Gewinn, kommentieren die Forscher.

Mark Tuszynski (Universität von Kalifornien, San Diego) et al.: Neuron, doi: 10.1016/j.neuron.2009.09.016 ddp/wissenschaft.de ? Jessica von Ahn
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