Wie Schimpansen das Licht der Welt erblicken - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Wie Schimpansen das Licht der Welt erblicken

Schimpansenbabys kommen mit dem Gesicht nach hinten auf die Welt. Damit ähnelt ihre Geburt der von menschlichen Babys, die ebenfalls mit dem Gesicht in Richtung des mütterlichen Rückens geboren werden. Dass diese Übereinstimmung bisher nicht entdeckt wurde, lag vor allem am fehlenden Datenmaterial ? erst jetzt gelang es einem japanischen Forscherteam nämlich, die Geburt von drei Schimpansenbabys zu beobachten und auch zu filmen (hier sehen Sie eines der Videos beim britischen Wissenschaftsmagazin „New Scientist“).

Bisher war man davon ausgegangen, dass nur menschliche Babys mit dem Gesicht nach hinten aus dem Geburtskanal kommen. Anschließend machen sie eine Drehung um 90 Grad, so dass auch die Schultern durch den Beckenausgang rutschen können. Diese Beobachtungen hatten zu der Annahme geführt, dass sich beim Menschen wegen der rückwärts gerichteten Position des Babys Geburtshilfe entwickelt hat. Denn diese Position macht es für die Mutter schwierig, das Kind nach der Geburt selbst aufzunehmen und direkt zu stillen.

Satoshi Hirata von den Hayashibara Biochemical Laboratories in Okayama und sein Team konnten nun jedoch erstmals drei Schimpansinnen in Gefangenschaft beim Geburtsvorgang beobachten. Dabei stellten sie fest, dass der Kopf des Affenbabys ebenfalls mit dem Gesicht nach hinten aus dem Geburtskanal austritt und anschließend eine Drehung um 90 Grad vollzieht. Allerdings suchen Schimpansenweibchen bei der Geburt keine Unterstützung, sondern ziehen sich im Gegenteil sogar zurück. Zudem fiel bei zwei der drei Schimpansenweibchen das Neugeborene nach der Geburt einfach auf dem Boden, ohne von der Mutter geführt zu werden. „Dies bedeutet, dass die rückwärts gerichtete Haltung keine notwendige Bedingung dafür ist, dass sich Geburtshilfe entwickelt hat“, sinniert Hirata.

Die Annahme, dass die Lage des Ungeborenen mit der Entwicklung der Geburtshilfe zusammenhängt, wurde erstmals in den 1980er Jahren von Wenda Trevathan von der New Mexico State University in Las Cruces (USA) entwickelt. ?Es hat 25 Jahre gedauert, bis jemand Untersuchungen anstellt, die meine Hypothese bestätigen oder widerlegen könnten?, sagt Trevathan. ?Daher freue ich mich, dass es endlich solche Beobachtungen gibt.?

Allerdings gebe es trotzdem bestimmte Aspekte, die die menschliche Geburt einzigartig machen, betont die Wissenschaftlerin. ?Einer davon betrifft die Rotationen, die das Baby bei seiner Geburt macht.? Weiterhin könne Geburtshilfe die Geburt eines Babys, dessen Gesicht nach hinten gerichtet ist, durchaus erleichtern, sagt sie. ?Die entscheidende Frage ist daher nicht, warum sich beim Menschen Geburtshilfe entwickelt hat, sondern warum sie sich beim Schimpansen nicht entwickelt hat?, sagt Trevathan.

Anzeige

Satoshi Hirata (Hayashibara Biochemical Laboratories, Okayama) et al.: Royal Society Journal Biology Letter, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1098/rsbl.2011.0214 wissenschaft.de ? Christine Amrhein
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Ther|mo|elek|tri|zi|tät  auch:  Ther|mo|elekt|ri|zi|tät  〈f.; –; unz.〉 Beziehung zw. Temperaturunterschieden u. elektr. Spannungen in einem elektr. System ... mehr

Mus|kel|ge|we|be  〈n. 13; Anat.〉 aus Zellen od. Fasern bestehendes, die Muskeln bildendes Gewebe

Sta|chel|hai  〈m. 1; Zool.〉 Angehöriger einer Familie der Haie mit starken Stacheln am Anfang der ersten u. zweiten Rückenflosse: Squalidae

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige