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Nachhaltigkeit im Check

Wie viel Palmöl steckt in Kerzen?

Kerzen
Wie nachhaltig sind Stearinkerzen? (Bild: Ridofranz/ iStock)

Licht ins Dunkel: Weihnachten naht und damit auch die Hochsaison für Kerzen. Viele Anbieter werben damit, dass ihre Produkte aus pflanzlichem Stearin statt erdölbasiertem Paraffin bestehen. Aber gerade das für Stearin benötigte Palmöl steht wegen der Umweltfolgen seines Anbaus ebenfalls in der Kritik. Die Deutsche Umwelthilfe hat nun untersucht, ob und wie viel des in Kerzen verwendeten Palmöls aus zertifiziertem und damit nachhaltigem Anbau kommt.

Die Nutzung fossiler Rohstoffe gilt als eine der Hauptursachen des Klimawandels. Dennoch werden zum Beispiel viele Kerzen aus Paraffinwachs hergestellt, das bei der Verarbeitung von Erdöl entsteht. Als Ersatz dafür setzen Hersteller für Kerzen mittlerweile aber auch häufig auf pflanzliches Stearin aus Palmöl. Doch auch die Gewinnung von diesem nachwachsenden Rohstoff steht in der Kritik: Der kommerzielle Ölpalmenanbau ist für die Rodung von Regenwäldern etwa in Malaysia und Indonesien sowie für den Rückgang von rund 400 Tierarten verantwortlich. Sofern der Rohstoff nicht aus kontrolliert nachhaltigem Anbau stammt, schadet daher auch er der Umwelt.

Wie viel Palmöl aus nachhaltigem Anbau?

Um herauszufinden, wie viel des pflanzlichen Kerzenwachses aus zertifiziert-nachhaltigem Palmenanbau stammt, haben nun Forscher um Karoline Kickler von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) einen Kerzencheck durchgeführt. Dafür recherchierten sie zunächst, welche der ausgewählten Kerzen tatsächlich aus Palmöl hergestellt werden. Bei Kerzen, die aus dem pflanzlichen Stearin bestehen, prüften sie Herkunft und Anbauform des verwendeten Palmöls und inwieweit dies auf der Verpackung angegeben ist. Die Forscher berücksichtigten insgesamt 52 Hersteller und Produkte aus verschiedenen Läden, darunter unter anderem Drogerien, Supermärkten und Baumärkten.

Dabei zeigte sich: Der Großteil der Anbieter macht nicht transparent, ob Palmöl in ihren Kerzen verwendet oder wie es angebaut wird. Demnach bleibt bei insgesamt 40 Prozent der untersuchten Hersteller unklar, ob die Kerzen möglicherweise Palmöl aus kommerziellem Anbau enthalten. „Die Menschen haben derzeit keine Möglichkeit herauszufinden, ob die Kerzen in ihrem Einkaufswagen mit Regenwaldzerstörung und Artenverlust in Zusammenhang stehen“, erklärt Kicklers Kollege Sascha Müller-Kraenner. „Möbelhäuser wie Roller, Deko-Anbieter wie Nanu Nana und Baumärkte wie Hornbach sind gegenüber den Kunden extrem intransparent.“ Vier Kerzenhersteller machten gar keine Angabe.

Insgesamt geben nur 15 der 52 im Kerzencheck untersuchten Unternehmen an, dass das von ihnen verwendete Palmöl ausschließlich aus nachhaltigem Anbau stammt. Dazu gehören unter anderem Kerzen, die von Ikea, dm oder der Metro verkauft werden, aber auch Kerzen von Alnatura oder Gepa. Ebenfalls positiv: Die Supermärkte schneiden nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe gut ab: Enthalten Kerzen der Eigenmarken Palmöl, stammt dies zu 100 Prozent aus nachhaltigem Anbau Nur die Supermarktkette real verrät den Anteil des nachhaltigen Palmöls nicht. Erkennbar ist all dies aber nicht auf den ersten Blick: Kaum ein Unternehmen, das nachhaltiges Palmöl in Kerzen verwendet, gibt dies auf dem Produktetikett in Form eines Nachhaltigkeitssiegels an.

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Warum fehlen die Kennzeichnungen?

Aber warum fehlen sogar bei den positiven Beispielen die Kennzeichnungen auf den Kerzen? Den Grund für die fehlende Transparenz sieht das Forscherteam vor allem darin, dass es bisher keine gesetzliche Deklarationspflicht für Palmöl in Kerzen gibt. „Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen Palmöl-Bestandteile auf allen Produkten erkennen können, nicht nur bei Lebensmitteln“, fordert Kickler. „Deshalb muss die gesetzliche Deklarationspflicht für Palmöl auf Non-Food Produkte ausgeweitet werden.“ Und das selbst für die Kerzen, die nachhaltig angebautes Palmöl enthalten: „Hersteller müssen verpflichtet werden, Hinweise zur nachhaltigen Herkunft des Palmöls abzubilden. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass sie Palmöl aus nachhaltigem Anbau auf bestehenden Flächen unterstützen können“, so die Forscherin weiter. Als ersten Fortschritt haben zumindest auf Anfrage der Deutschen Umwelthilfe Anbieter wie Lidl und Aldi angekündigt, ab 2021 das nachhaltig angebaute Palmöl in ihren Kerzen deutlich zu kennzeichnen.

Noch einfacherer wäre die Kaufentscheidung, wenn die Verwendung von nicht-zertifiziertem Palmöl gesetzlich verboten würde, sagt die Deutsche Umwelthilfe. Denn ihren Angaben nach hat die Forderung nach einer freiwilligen Umstellung bislang zu wenig gebracht. „Für eine Umstellung auf 100 Prozent nachhaltiges, entwaldungsfreies Palmöl geht kein Weg an verpflichtenden Regelungen vorbei“, so die DUH. „Um Waldrodungen auch außerhalb unserer Lieferketten effektiv zu bekämpfen, muss die EU letztlich weitere Maßnahmen und Programme zum Regenwaldschutz auf den Weg bringen.“

Bis es aber so weit ist, empfehlen Kickler und ihre Kollegen einen maßvollen und bedachten Konsum möglichst nachhaltiger Kerzen, über die man im Internet oder im Kerzencheck der Deutschen Umwelthilfe Hinweise findet.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe Studie Kerzencheck, Übersichtstabelle (PDF)

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